Alfred Brendel ging mit Beethoven durch Berg und Tal

Klavier-Festival Ruhr

Alfred Brendel ist immer noch ein Publikumsmagnet, auch wenn er heute mehr mit Worten als mit seinen Händen das Wesen der Musik der Klavierklassiker ergründet. Am Sonntag dozierte die 83-jährige österreichische Pianis ten ikone beim Klavier-Festival im Folkwang-Museum Essen über die drei letzten Klaviersonaten Beethovens.

ESSEN

, 30.06.2014, 18:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pianist Alfred Brendel liest inzwischen nur noch - und schreibt Bücher.

Pianist Alfred Brendel liest inzwischen nur noch - und schreibt Bücher.

Brendel stellte die Sonaten op. 109 bis 111 in den Kontext des Beethovenschen Spätwerks, zu dem auch die neunte Sinfonie und die "Missa solemnis" zählen. Der Wiener Klassiker, so der Pianist poetisierend, "klettert dort auf Berge und verschwindet in tiefen Schluchten". Wie etwa im zweiten Satz der Sonate op. 111.Schroffheit trifft auf lyrische Entspanntheit Insgesamt fände eine "Erweiterung und Synthese der musikalischen Mittel" statt: "Schroffheit trifft auf lyrische Entspanntheit". Und, wenn man die Biografie des Wiener Klassikers einbezöge, kontrastiere die "Verwirrung des Alltagslebens" geradezu mit der "Ordnung der Komposition".

Der "neue Stil" der letzten Sonaten deute sich dabei bereits in Beethovens Sonaten op. 101 und op. 106 an. Letztere, die Hammerklaviersonate, nennt Brendel "das Äußerste, was von ihm gewagt und bewältigt wurde."Musikbeispiele vom Band Seinen 60-minütigen, entspannt abgelesenen Vortrag illustrierte Brendel nach bewährtem Muster mit Musikbeispielen vom Band, wobei er musikalische Details zusätzlich selbst am Flügel demonstrierte.

Die letzte Sonate, so Brendel abschließend, "führt tief in die Stille", sie "öffnet einen Raum, in dem jegliche Musik verstummt".

Zweiter Vortrag Alfred Brendels beim Klavier-Festival: "Klavier-Alphabet (Vom A bis Z eines Pianisten)", 2.7., 20 Uhr Museum Folkwang Essen.

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