"Alice im Wunderland" ist bunt und bedrückend

Spielzeiteröffnung in Bochum

BOCHUM "Alice im Wunderland" gilt vielen als Inbegriff von Nonsens-Literatur. Anna Bergmann hat mit ihrer Inszenierung "Alice", zur Spielzeiteröffnung am Schauspielhaus Bochum, dem Nonsens einen Sinn gegeben.

von Von Ronny von Wangenheim

, 02.10.2009, 16:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
Alice als Kind (geführt von Steffi König) begegnet der Herzkönigin (Martina Eitner-Acheampong).

Alice als Kind (geführt von Steffi König) begegnet der Herzkönigin (Martina Eitner-Acheampong).

Es mangelt nicht an bunten Bildern, verrückten Figuren, spielerischen Einfällen und viel Musik. Unentwegt dreht sich auf der Bühne das überdimensionale Puppenhaus - und doch ist die Stimmung meist bedrückend. Für Alice ist ihre Wanderung durch das Wunderland zugleich eine Begegnung mit den Traumata der Kindheit, eine Auseinandersetzung mit der die ganze Familie terrorisierenden Mutter, dem in seiner Sprachlosigkeit nicht minder grausamen Vater und den drei Brüdern, die wie sie seelisch verletzt sind.

Maja Beckmann kann in der Rolle der erwachsenen Alice zeigen, dass sie viel mehr als nur komisches Talent hat. Großartig, wie sie spürbar schrumpft und zum Kind wird, das zum weißen Kaninchen in den Stall kriecht. In ihrer Phantasie - der auch schon mal "Kekse" oder Pilze auf die Sprünge helfen - werden die Brüder zur Schlafmaus, Humpty Dumpty oder Hutmacher, Martina Eitner-Acheampongs schrille Mutter zur herzlosen Herzkönigin. Da entfaltet sich der gesamte Figurenkosmos von Lewis Carroll.Genialer Einsatz von Puppen

Phantasie und Realität, Kindheit und Erwachsensein durchdringen sich vielschichtig in Anna Bergmanns Inszenierung. Das löst sie genial durch den Einsatz von Puppen. Die Alice-Figur (von Suse Wächter genauso meisterhaft und seelenvoll gebaut wie von Steffi König geführt) kann nicht nur schrumpfen, wachsen oder einen schlangen-langen Hals bekommen. Sie wird zum inneren Kind, das letztlich zur Königin reift und damit der erwachsenen Alice hilft, ihre Identität zu finden, ihr "Ich" zu bejahen.

Ein deutliches Ja kam auch von den Zuschauern. Der Spielzeitauftakt zwischen existentiellem Tiefgang und Spaß an surrealen Bildern und Sprachspielen wurde mit von Jubel durchmischtem Beifall honoriert.

  • Vorstellungen: 11.+ 25.10./ 8.11.
  • www.schauspielhausbochum.de
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