Als Revenant kämpft Leonardo DiCaprio ums Überleben

Neu im Kino

Tief in den Wäldern Amerikas. Pelzjäger schnüren Bündel mit Biberfellen. Fffft - aus dem Nichts surrt ein Pfeil heran, dann noch einer. Indianer! Sie meucheln die halbe Jagdgesellschaft, der Rest rettet sich auf ein Boot.

01.01.2016, 13:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass in "The Revenant".

Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass in "The Revenant".

Trapper, Tod und (rote) Teufel. Schlamm, Kälte, Angst. Der Anfang von "The Revenant" (Kinostart: 6.1.) ist ein Versprechen. Hier kommt ein realistischer, knallharter Film aus einer Zeit, etwa 1820, als der Westen wirklich noch wild und grausam war.

Seine Vision vom archaischen Ringen zäher Kerle inmitten gnadenloser Natur zelebriert Regisseur Alejandro G. Inárritu ("Birdman", "Babel") virtuos bis zum Ende. Mit Leonardo DiCaprio hat er einen tollen Hauptdarsteller, mit Emmanuel Lubezki einen begnadeten Kameramann und im Tandem Ryuichi Sakamoto/Alva Noto zwei Tonsetzer, die einem wirkungsmächtigen Minimalismus frönen.

Existenzielles Drama

Alles bereit für ein existenzielles Drama, für einen grimmigen Western der Extraklasse. DiCaprio spielt den Scout Hugh, der die Trapper nach dem Überfall in ein Fort lotsen soll. Der Weg führt über die Berge, der Winter naht.

Abseits der Gruppe wird Hugh von einer Bärin angefallen. Der Grizzly kommt über den armen Kerl wie eine Walze. Sein Atem lässt das Objektiv beschlagen, so nah sind wir dran. Was ist Kamera, was Spezialeffekt? Famos gemacht. Die Trapper vernähen grob die Wunden und lassen den Todgeweihten zurück. Sein Sohn, dazu Fitzgerald (Tom Hardy) und ein junger Bursche bleiben, um das Ende abzuwarten.

Triebfeder Rache

Der Scout röchelt, aber er stirbt nicht. Er beobachtet einen Mord, während der Mörder sich aus dem Staub macht. Kriechend nimmt der halb tote Hugh die Verfolgung auf. DiCaprio in einer übermenschlichen Leidens-Oper - Rache ist eine starke Triebfeder.

Hugh wärmt sich in (!) einem toten Pferd, rangelt mit Wölfen um deren Beute, profitiert vom Mitleid eines Indianers. Das ist packend und schmerzlich intensiv erzählt.

Alle kämpfen ums Überleben. Die Rothäute haben schon verloren gegen die Brutalität der Weißen. "The Revenant" ist eine Parabel über die Gier des weißen Mannes, ein Survival-Thriller, manchmal auch eine Naturmeditation nach Art von Terrence Malick. Großartig.

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