Amokfahrer verletzt 14 Menschen, weil er an einen Terroranschlag glaubte

mlzLandgericht Essen

Fast ein Jahr nach der Amokfahrt in Bottrop und Essen gilt Andreas N. aus Essen weiter als gefährlich. 14 Menschen, darunter Frauen und Kinder, hatte er in der Silvesternacht verletzt.

Essen

, 10.12.2019, 13:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas N. zeigte keine Regung, als Staatsanwältin Julia Schweers-Nassif am Dienstag noch einmal in Erinnerung rief, was in der letzten Silvesternacht passiert ist. Mindestens 14 Menschen wurden verletzt, eine Frau sogar lebensgefährlich. Sie war gleich zweimal vom Auto des Angeklagten überrollt worden. Jetzt droht dem 50-jährigen Amokfahrer die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Das hat die Anklägerin gefordert.

Opfer mit Migrationshintergrund

Laut Staatsanwaltschaft ist der 50-Jährige gegen Mitternacht gezielt auf Menschen zugefahren, die aus seiner Sicht einen Migrationshintergrund hatten. Ein rassistischer Hintergrund? So sah es zunächst aus.

Viele der Opfer sahen den Wagen gar nicht kommen. „Kinder und Erwachsene haben sich auf das Feuerwerk konzentriert“, so die Anklägerin.

Haupttatort war der Berliner Platz in Bottrop, dann ging es weiter nach Essen. Andreas N. fuhr auf die Gegenfahrbahn und über Bürgersteige. Zum Prozessauftakt hatte er erklärt, dass er sich wie ein „Staubsauger“ gefühlt habe, der alles aufsaugen müsse.

Der Auslöser: paranoide Schizophrenie

Der Hintergrund: ein akuter Krankheitsschub. Der 50-jährige Essener leidet seit Jahren unter paranoider Schizophrenie. In der Silvesternacht müsse er sich eingeredet haben, ein Terroranschlag stehe kurz bevor und er sei auserkoren, diesen zu verhindern. „Ich weiß, dass das alles keinen Sinn macht“, hatte Andreas N. im Prozess am Essener Landgericht erklärt. Trotzdem habe er den Motor gestartet und sei in die Fußgängerzone gefahren. Von einem Hass auf Ausländer könne aber keine Rede sein.

„Die Situation war für ihn unberechenbar und unkontrollierbar“, so Staatsanwältin Schweers-Nassif. „Er hatte es nicht in der Hand, wo und wie er Menschen überfährt.“ Rechtlich habe es sich um versuchten Mord, versuchten Totschlag und um Körperverletzung gehandelt.

„Eine Gefahr für die Allgemeinheit“

Bestraft werden kann Andreas N. allerdings nicht. Er sei schuldlos, so die Anklägerin. Weil er nicht in der Lage gewesen sei, das Unrecht einzusehen.

Auffällig: Nach seiner Festnahme hatte der 50-Jährige keinerlei Gewissensbisse gezeigt. Doch auch das sei auf seinen Wahnzustand zurückzuführen. Die Krankheit sei bis heute nicht im Griff. Deshalb sei auch weiter mit schweren Straftaten zu rechnen. „Er ist eine Gefahr für die Allgemeinheit“, so Schweers-Nassif.

Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.

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