Andreas Schröter: "Madame Bovary"

Buchtipp der Redaktion

Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Andreas Schröter liest gerne "Madame Bovary".

DORTMUND

, 21.10.2016, 15:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

Ich bin immer noch fasziniert von einem Klassiker aus dem Jahre 1856, den ich vor etwa 30 Jahren gelesen habe: „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. Und zwar weil er zeitlose psychologische Wahrheiten verkündet, die unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen, Lebensumständen, den gerade herrschenden politischen Systemen oder religiösen Einflüssen gelten. Es geht um den Gegensatz von Vernunft und Sicherheit auf der einen und den berechtigten Wünschen einer jungen Frau auf der anderen Seite.

Die blutjunge Emma heiratet den älteren Arzt Charles Bovary, der zwar freundlich, aber langweilig ist. Das Paar zieht aufs Land und bekommt ein Kind. Emma aber sehnt sich nach Vergnügen und Abwechslung. Schließlich verliebt sie sich in zwei verschiedene Männer und hintergeht ihren Gatten. Gustave Flaubert hatte damals Schwierigkeiten mit der Zensur, die ihm „Verstoß gegen die guten Sitten“ und „Verherrlichung des Ehebruchs“ vorwarf. Aber das trifft es nicht. Der Autor thematisiert wertfrei einfach das Gefühlsleben einer jungen Frau, die den Fehler gemacht hat, viel zu jung zu heiraten. Solche Emmas dürfte es auch heute noch in Massen auf der ganzen Welt geben.

Und als Leser weiß man immer noch nicht, was man der Dame eigentlich raten soll: „Genieße Dein Leben!“ oder „Bleibe bei deinem Gatten und lebe ein Leben in Sicherheit!“ – zumal der Autor jenen Landarzt Charles Bovary keineswegs als groben Unsympathen darstellt, sondern als lieben und fürsorglichen Mann.

Informationen zum Buch
Gustave Flaubert: Madame Bovary, 464 Seiten, Diogenes, 11,90 Euro, ISBN: 978-3257207217