Andris Nelsons möchte mit Puccini weinen

"Schwester Angelica" im Konzerthaus Dortmund

DORTMUND Ein eigenes Festival mit drei Konzerten widmet das Konzerthaus Dortmund in der nächsten Saison dem Shootingstar der jungen Dirigenten, Andris Nelsons. Am 20. Mai ist der 32-jährige Chef des City of Birmingham Orchestra, der 2010 in Bayreuth Lohengrin geleitet hat, mit Puccinis Oper "Suor Angelica"zu Gast. Julia Gaß sprach mit dem Letten aus Riga.

von Von Julia Gaß

, 19.04.2011, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Andris Nelssons dirigiert am 20. Mai die "Suor Angelica" im Konzerthaus Dortmund.

Andris Nelssons dirigiert am 20. Mai die "Suor Angelica" im Konzerthaus Dortmund.

Im Saisonbuch des Konzerthauses werden Sie zitiert mit "Als Dirigent muss man Musiker inspirieren - und möglichst wenig stören". Wie geht das? (lacht) Man darf die Musik nicht stören. Es ist Privileg, Musik zu machen. Wir Musiker haben große Verantwortung gegenüber den Komponisten. Als Dirigent möchte ich die Atmosphäre finden, die der Komponist sich vorgestellt hat, seinen Klang finden. Dazu will ich die Musiker inspirieren.Welche Atmosphäre hat "Suor Angelica"? Puccini ist ein Meister menschlicher Emotionen und der Dramaturgie dieser Emotionen. Es geht um Liebe, große Gefühle, Religion und Tod. Angelica hat ihr Kind verloren, sie geht in Liebe zu ihrem Kind. Puccini bringt Tränen ins Publikum, seine Musik lässt uns nicht kalt, wir müssen teilhaben, wir wollen weinen, wir wollen helfen. Da ist jeder involviert.Ihre Frau, Kristine Opolais, singt die Schwester Angelica. Hilft das, die Emotionen noch deutlicher zu machen? Ich bin sehr glücklich, dass wir das zusammen machen. Wir arbeiten nicht sehr oft zusammen, aber es ist immer ein großes Glück. Ich hab Kristine in der Oper, in Riga, bei Puccinis "Bohème", kennen gelernt. Sie hat sehr viel zu tun, und ich auch. Wir arbeiten professionell zusammen als Sängerin und Dirigent, aber natürlich reden wir die ganze Zeit privat über Musik. Und ich verstehe sie, und sie versteht mich.Sie haben viel Puccini in letzter Zeit dirigiert: "Turandot" an der Met, "Bohème" an Covent Garden, "Tosca" und "Butterfly" an der Wiener Staatsoper. Lieben Sie Puccini besonders? Er war immer einer meiner liebsten Opernkomponisten. Aber ich liebe auch Wagner und Strauss. Ich mag die Emotionen an Puccini. Sogar kühle Bankkaufleute können in seinen Opern nicht mit trockenen Augen sitzen. Puccinis Gefühle sind wichtig in unserer technokratischen Welt. Sie sind wertvoller, als einen neuen Computer oder ein Solarkraftwerk zu erfinden.Schwester Angelica spielt im Kloster. Sind Sie ein religiöser Mensch? Ich glaube an Gott. Wir alle haben einen Weg im Leben zu gehen und haben viele Fehler. Musik hilft dabei, ein besserer Mensch zu werden, sie öffnet das Herz.Sie sind seit 2007 in Birmingham und haben Ihren Vertrag bis 2014 verlängert. Reizen Sie nicht andere Orchester, Städte, Länder, Kontinente? Das ist zurzeit sehr schwer zu beantworten. Ich liebe das CBSO, wir sind eine musikalische Familie. Aber ich will nirgendwo so lange bleiben, bis die Menschen mich dort hassen, man muss frisch bleiben. Meine größte Liebe ist Zentraleuropa, das ist die Wiege der klassischen Musik. Aber ich liebe auch Amerika. Musik ist zum Glück eine universelle Sprache.Für die konzertante Aufführung von Puccinis "Suor Angelica" am 20.5., 20 Uhr, im Konzerthaus Dortmund gibt es noch Karten unter Tel. (0231) 22 69 62 00.www.konzerthaus-dortmund.de

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