Anfeindungen und Beleidigungen: Pflegekräfte werden aus Angst vor Coronavirus zur Zielscheibe

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Aus Angst vor dem Coronavirus werden Pflegekräfte zur Zielscheibe. Mitarbeiter des Schmallenbach-Hauses in Fröndenberg werden offenbar gezielt angefeindet und beleidigt.

Fröndenberg

, 16.04.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitarbeiter des Schmallenbach-Hauses in Fröndenberg werden aus Angst vor dem Coronavirus offenbar zur Zielscheibe von Ausgrenzungen und Anfeindungen, Beschimpfungen und Beleidigungen. Und das sogar in ihrem privaten Umfeld. In der Redaktion meldeten sich am Donnerstag auch Mitarbeiter externer Dienstleister des Schmallenbach-Hauses, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Schmallenbach-Haus: „Kaum in Worte zu fassen“

„Das geht eindeutig zu weit“, heißt es in einem emotionalen Statement der Einrichtung im sozialen Netzwerk Facebook. „Wir geben tagtäglich alles und einige Bürger verhalten sich so unsolidarisch – sehr bitter!“ Auf den Schultern der Pflegekräfte laste in diesen Zeiten ohnehin ein enormer Druck. Das Verhalten einiger Bürger sei „kaum in Worte zu fassen“, heißt es in dem Statement. „Wir und alle Mitarbeiter in der Pflege leisten gerade Übermenschliches!“

Offenbar sind unter anderem auch Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes in der Öffentlichkeit angefeindet worden – eine der zentralen Dienstleistungen neben der stationären Pflege. Zu erkennen an ihren Fahrzeugen, sind sie in der häuslichen Pflege eingesetzt. Es handle sich um Mitarbeiter, „die nicht unter Quarantäne stehen, da sie KEINEN Kontakt zu den Mitarbeitern aus unseren vollstationären Einrichtungen haben“, heißt es. Sie würden „auf dem Heimweg beim Tanken beschimpft und beleidigt.“ Und weiter: „Viele werden angefeindet. Auf offener Straße. Auf dem Weg zur Arbeit. Auf dem Weg, Hilfe zu leisten. Und vor allem auf dem Weg, in dieser Zeit ihren besten Beitrag zu leisten.“

„Unterste Schublade“: Entrüstung löst viel Lob bei Facebook aus

Das Statement löst via Facebook zahlreiche Reaktionen aus. „Unterste Schublade“, schreibt eine Nutzerin. „Ihr gebt da euer Bestes und tut alles für die Bewohner.“ Auch von anderen Nutzern wird dem Schmallenbach-Haus viel Lob entgegengebracht.

Friedrich-Wilhelm Rebbe, Bürgermeister der Stadt Fröndenberg, reagierte mit Entsetzen auf die Anfeindungen gegenüber Mitarbeitern des Schmallenbach-Hauses.

Friedrich-Wilhelm Rebbe, Bürgermeister der Stadt Fröndenberg, reagierte mit Entsetzen auf die Anfeindungen gegenüber Mitarbeitern des Schmallenbach-Hauses. © Archiv

Mit Entsetzen reagierte auch Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe auf die gezielten Anfeindungen gegen Pflegekräfte. Er sei „entsetzt über diese haltlosen Anfeindungen, denen offenbar etliche Pflegekräfte und ehrenamtliche Hilfe leistende Menschen aus dem Umfeld des Schmallenbach-Hauses ausgesetzt sind“, teilte er auf Anfrage dieser Redaktion mit. „Das geht gar nicht und kann so nicht hingenommen werden!“

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Die Pflegeeinrichtung am Hirschberg in Fröndenberg ist stark gebeutelt vom Coronavirus, durchlebt schwere Zeiten. Bei Dutzenden Bewohnern und Mitarbeitern war das Virus nachgewiesen worden, die Einrichtung hat bereits zehn Tote in Verbindung mit Covid-19 zu beklagen. In der Folge hat das Gesundheitsamt häusliche Quarantäne gegen zahlreiche Mitarbeiter angeordnet, die Arbeit in der Einrichtung aber ausdrücklich gestattet.

„Unsere Mitarbeiter aus den betroffenen stationären Einrichtungen bewegen sich derzeit nur zwischen dem Zuhause und der Arbeit, alles unter strikter Einhaltung aller Quarantäne-Vorschriften“, schreibt das Schmallenbach-Haus dazu. „Wir tun aktuell alles, was wir können, um diese Situation zu bewältigen und arbeiten mit Hochdruck und am Limit.“

Rebbe: „Beschämendes Verhalten nicht repräsentativ“

Das würdigte auch Bürgermeister Rebbe gegenüber dieser Redaktion. „Wir sind diesen Menschen, die sich im Beruf und auch in der Ehrenamtlichkeit für ihre Mitmenschen einsetzen, vielmehr zu tiefem Dank verpflichtet. Sie verdienen unseren Respekt und unsere Anerkennung, die ich hiermit im Namen aller Bürger aussprechen möchte.“ Er sei davon überzeugt, „dass dieses beschämende Verhalten nicht repräsentativ für unsere Einwohner ist. Repräsentativ ist die überragende Solidarität, die sich in den vielen ehrenamtlich getragenen Unterstützungsprojekten ausdrückt.“

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