"Anna Karenina" scheitert im Goldrahmen

Schauspiel Essen

Was ist Glück? Nur eine Laune der Natur. Und währen tut es auch nicht lang. So jedenfalls die Botschaft von Armin Petras, der Leo Tolstois Roman "Anna Karenina" dramatisiert und dabei vom großen russischen Gesellschaftspanorama zur zeitlosen Geschlechtertragödie eingedampft hat.

ESSEN

, 22.06.2014, 16:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vergeblicher Griff nach den Sternen: Anna Karenina (Janina Sachau) und Wronski (Jörg Malchow).

Vergeblicher Griff nach den Sternen: Anna Karenina (Janina Sachau) und Wronski (Jörg Malchow).

Vor sechs Jahren bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt, ist seine Tolstoi-Fassung seit Samstag nun im Essener Grillo-Theater zu sehen.

Auf Liebe und Eheschließung, und sei's auch mit Gottes Segen, folgen unweigerlich das Erkalten der Leidenschaft, Gleichgültigkeit, Hass und Ehebruch. Wer das aber wie Anna Karenina durchmacht, für den wird's nicht besser, vor allem als Frau. Im Gegenteil: Da leidet man in der Folge zusätzlich unter Schuldgefühlen und Eifersucht.

Ohne große Gefühlsausbrüche

Thomas Krupa stellt die zum Scheitern verurteilten Beziehungen von Anna, ihrer Schwägerin Dascha und deren Schwester Kitty in seiner Essener Inszenierung im Goldrahmen aus (Bühne: Andreas Jander) und schildert sie bis hin zu Annas tragischem Ende eher nüchtern und ohne große Gefühlsausbrüche. So ist es halt, das (Liebes-)Leben.

Bei seinem zweieinhalbstündigen Abend wird der Beziehungsreigen unter geschickter Zuhilfenahme der Drehbühne unterhaltsam montiert.Erinnerungen ans Kino "Wir sind doch hier nicht im Film", sagt Karenin, und doch fühlt man sich immer wieder an Kino erinnert. Der streicherbetonte Soundtrack von Mark Polscher macht die Dissonanzen zwischen den Figuren hörbar, die zum Teil aus ihren Rollen treten und in der dritten Person von sich selbst reden.

Janina Sachau überzeugt als zwischen zwei Männern zerriebene, in den Wahnsinn abdriftende Titelheldin. Stefan Diekmann ist ihr braver, witzig-naiver Gatte Karenin und zwischenzeitlich auch der gemeinsame neunjährige Sohn.

Mitten im Leben

Jörg Malchow spielt den Wronski als gezierten Lover. Evamaria Salcher und Silvia Weiskopf sind die gegensätzlichen Schwestern Dascha und Kitty, die eine streng und gläubig, die andere resolut und mitten im Leben ("Ich steh' nicht auf Loser"), um dann doch nur den unsympathischen Zweifler Lewin (Sven Seeburg) abzubekommen.

Termine: 27.6. (ausverkauft), danach erst wieder 27.9.; Karten: Tel. (02 01) 812 22 00.

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