Arcadi Volodos spielte Schubert wie ein neuer Horowitz

Konzerthaus Dortmund

Thema und Variationen op. 18b von Brahms waren vor 14 Jahren das erste Werk, das beim allerersten Festival "The Next Generation" im Dortmund Harenberg-Haus erklungen ist. Interpret war an diesem 18. Februar 2001 der junge Russe Arcadi Volodos. Am Donnerstag spielte eben dieser Volodos zu Beginn seines Recitals im Konzerthaus Dortmund wieder dieses Werk. Und was ist aus dem ehemaligen virtuosen Tastenlöwen für ein sensibler, klug denkender Interpret geworden.

DORTMUND

, 05.02.2016, 14:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der russische Pianist Arcadi Volodos begeisterte mit Werke von Brahms und Schubert im Konzerthaus Dortmund.

Der russische Pianist Arcadi Volodos begeisterte mit Werke von Brahms und Schubert im Konzerthaus Dortmund.

Mit seinen fast 44 Jahren erinnert sein Spiel an das seines großen Landsmann Vladimir Horowitz. Mit den Brahms-Werken seines Dortmunder Programms wird Volodos am 15. April in Mülheim das Klavier-Festival Ruhr eröffnen.

Noch eindrucksvoller war im Konzerthaus jedoch seine ausgereifte Interpretation der letzten Schubert-Sonate. Entspannt, oft zurückgelehnt auf dem Stuhl (klein Hocker!) auf der abgedunkelten Bühne entwickelte der St. Petersburger in diesem Schwanengesang ein zärtliches Zwiegespräch mit Schubert und schubste dabei das Andante in eine weltentrückte Welt.

Brahms mit der Busoni-Brille

Wie Volodos da mit vielen Anschlagsnuancen wirkliche Seelenmusik entwickelte, war ganz große Kunst und eine Verbeugung vor dem Liedkomponisten Schubert.

Die Kraft, mit der Volodos als junger Pianist virtuos an die Weltspitze gestürmt ist, hat er immer noch. Aber er setzt sie durchdachter und dosierter ein.

In den Brahms-Werken pflegte er deutlicher die Tradition des Tastenlöwen. Mit großer Geste, manchmal etwas hartem Anschlag erinnerte er in den Variationen op. 18b an barocke Vorbilder wie den Folia-Tanz.

Große Spielfreude

Das klang auch in den acht Klavierstücken wie Brahms durch die Busoni-Brille. Da ebnete der Russe die Gegensätze zwischen den zierlich artikulierten Capriccios und den lyrischen Intermezzi etwas sehr ein. Und erst im Schlussstück war in der Brahms-Klangwelt ganz angekommen.

Große Spielfreude klang aus Volodos' Auftritt im Konzerthaus Dortmund, der deutlich extrovertierter war als in den Vorjahren. Mit vier Zugaben dankte er für euphorischen Jubel.