Architektur-Führer Dortmund — Siedlung "Am Sommerberg"

Baukultur

Irgendwie kennt man den Namen — aber hier gewesen ist man nie: Die Siedlung "Am Sommerberg" versteckt sich im Norden von Hörde und schließtdirekt an die edle Gartenstadt an. Hier fährt man nicht zufällig durch. Sollte man aber mal. Leider hätte viele Häuser eine Auffrischung nötig.

Dortmund

von Richard Schmalöer

, 20.06.2014, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stadteile Höchsten und Sommerberg

Die Stadteile Höchsten und Sommerberg

  • Am Sommerberg, 44263 Dortmund
  • Baujahr: 1916
  • Architekt: Karl Pohl
  • Denkmalschutz
  • Infos: "Nach gartenstädtischen Planungsidealen gebaut. 2- und 4-Familien-Häuser, Vorgärten. Wechselndes Straßenbild durch diverse Haustypen und unterschiedliche Firstrichtungen. Die Siedlung Sommerberg/Winterberg ist eine Erweiterung der älteren, südlich des Steinkühlerweges gelegenen Werkssiedlung." (Hans Magoley und Norbert Wörner, Dortmund Architekturführer, 1984)

"Woher kommt der Name? Die vergleichsweise kleine Arbeitersiedlung oberhalb des früheren Hörder Stahlwerks liegt auf einer flachen Hügelkuppe. Das kann auch schon zur Entstehungszeit vor rund 100 Jahren nicht anders gewesen sein.Mit dem sich viele Jahre später zum gehobenen Wohnvorort entwickelnden Sommerberg am südlichen Rand Dortmunds hat dieses Quartier ganz und gar nichts zu tun. Ein Viertel aus der Hand eines Planers, ein Viertel bei dessen Betreten man sich in eine andere Welt versetzt fühlt. Stünden da nicht die heute unvermeidlichen parkenden Autos in den engen Gassen, so glaubte man sich auch in eine andere Zeit versetzt.Die niedrigen Häuser mit den tief heruntergezogenen Dächern scheinen sich zu bücken, um ihren Bewohnern Schutz zu bieten vor den alles sehenden Augen der Stahlwerksbosse, die gleichzeitig auch Vermieter gewesen sein dürften. Die überdeckten Gehwege, die von schräg gemauerten Pfeilern, die die Ober- und Dachgeschosse tragen geschützt werden, liegen in tiefen Schatten, die zu Zeiten rauchender Schlote noch viel dunkler und schwärzer gewirkt haben müssen, als dies heute der Fall ist. Der grobe Putz birgt den Ruß von 100 Jahren, die Fensterläden sind verblasst, der Platz im Zentrum könnte freundlicher aussehen.Obwohl die Architektur fast ausschließlich aus Elementen zusammengesetzt ist, die unsere Generation meidet wie der Teufel das Weihwasser, muss ich gestehen: Mir gefällt das hier, ich finde es schön. Und als meine Frau und ich noch auf der Suche nach einem Haus für unsere im Entstehen befindliche Familie waren, haben wir auch hier gerne geschaut. Denn (ein glücklicher Gegensatz zur Siedlung Oberdorstfeld) diese Häuser sind zwar aufgeteilt in zwei oder sogar vier Einheiten — dennoch sind sie von Baumarktverunstaltungen weitgehend verschont geblieben. Auf das es so bleiben möge!"