Armin Laschet: Ein Versöhner an der Spitze der CDU

Porträt

Die CDU hat Armin Laschet auf ihrem heutigen Parteitag zum neuen Vorsitzenden gewählt. Woher kommt der neue CDU-Chef? Wie steht er zu Europa? Kann er Kanzler? Wissenswertes und Persönliches.

Berlin

von Jörg Blank und Bettina Grönewald

, 16.01.2021, 16:21 Uhr / Lesedauer: 3 min
Armin Laschet wurde auf dem digitalen Parteitag zum neuen Chef der CDU gewählt.

Armin Laschet wurde auf dem digitalen Parteitag zum neuen Chef der CDU gewählt. © picture alliance/dpa

Armin Laschet steht als neuer CDU-Chef vor gleich drei riesigen Aufgaben. Nach dem Sieg gegen den früheren Unionsfraktionschef Frierich Merz muss er zu Beginn des Superwahljahres dafür sorgen, dass die Partei nicht gespalten in die Kampagnen für die Bundestags- und die sechs Landtagswahlen stolpert. Zugleich muss er ein Team an der Parteispitze zusammenstellen, das die zentralen Themen des Wahlkampfs inhaltlich füllt und mit prominenten Köpfen besetzt.

Will der 59-Jährige seine politische Karriere krönen und nach der Ära von Angela Merkel das Kanzleramt für die Union verteidigen, sollten vor allem Laschets Beliebtheitswerte besser werden. Und er muss sich mit CSU-Chef Markus Söder über die Kanzlerkandidatur einigen - der führt hier in Umfragen haushoch.

Wissenswertes und Persönliches über den neuen CDU-Chef:

Wo er herkommt:

Laschet ist als Sohn eines Bergmanns in Aachen geboren. Auch sein Vater scheint schon zielstrebig und ehrgeizig gewesen zu sein: Er hatte es nach einer Umschulung bis zur Leitung einer Grundschule gebracht. Die Mutter war Hausfrau. Laschet ist in einem katholisch geprägten Elternhaus groß geworden.

Von wem er wohl abstammt:

Einer von Laschets drei jüngeren Brüder geht nach Stammbaum-Recherchen davon aus, dass die Familie direkt von Karl dem Großen abstammt. Der NRW-Ministerpräsident ist ein erklärter Bewunderer des mächtigsten Kaisers des Mittelalters, dessen Lieblingspfalz Aachen war. In Laschets Büro in der Staatskanzlei in Düsseldorf steht eine goldfarbene Büste des Kaisers.

Wie er in der Schule war:

Laschet war ein eher mittelmäßiger Schüler, das enthüllt die jüngste Biografie „Der Machtmenschliche“. In der zehnten Klasse blieb er einmal sitzen, von der Bundeswehr wurde er ausgemustert. Das Erste Jura-Staatsexamen schloss er mit der Note befriedigend ab.

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Wie er zu Europa steht:

Laschet betont immer wieder, wie wichtig ihm die Europapolitik ist. Nachdem er von 1994 bis 1998 Bundestagsabgeordneter war, gehörte er von 1999 bis 2005 dem Europäischen Parlament an. In seinem Büro steht der Schreibtisch, an dem Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron 2019 den Vertrag von Aachen zur deutsch-französischen Zusammenarbeit unterzeichnet haben.

Wie er sich entspannt:

Laschet ist „Tatort“-Fan. „Meine Lieblingskommissare sind die Kölner und die Münchner“, bekannte er mal. „Und der jüngste „Tatort“ aus Nordrhein-Westfalen, der Dortmunder, gefällt mir auch.“ Am Neujahrstag 2020 spielte Laschet in einer Folge mit - in der Rolle des Ministerpräsidenten. Er liest auch gerne Krimis zur Entspannung, aber auch historische Romane. Laschet ist Fußball-Fan und besucht gerne die Heimspiele von Alemannia Aachen. Leidenschaftlich gerne raucht er Zigarillos.

Laschet und der Karneval:

„Als echter „Öcher“ wächst man hinein in die Liebe zur Stadt, zum Karneval“, bekennt er auf seiner Homepage. Als erster Aachener erhielt er 2020 den „Orden wider den tierischen Ernst“. Im Narrenkäfig stellt er bei der Karnevalssitzung im Februar 2020 die Frage nach „Deutschlands next Mutti“ und fragt in gespielter Verzweiflung in den Saal: „Wer soll es denn machen?“

Wo er seinen Urlaub verbringt:

Seiner Lieblingsregion ist Laschet treu. Den Familienurlaub verbringt er seit vielen Jahren am Bodensee. - Die Familie: Laschet hat mit seiner Ehefrau Susanne, einer Buchhändlerin, drei Kinder: Johannes, Eva und Julius. Johannes ist Mode-Blogger und sorgte unlängst für Aufregung, weil er einem Werbe-Partner einen Zugang zu Landesaufträgen für Corona-Schutzausrüstung vermittelt hatte.

Und wie steht er zur Macht?

Persönlich und politisch ist Laschets Motto: „Maß und Mitte“. Das könnte ihm nun bei den schwierigen Aufgaben in der CDU helfen. Schon in NRW hat er gezeigt, dass er eine Landesregierung mit Ein-Stimmen-Mehrheit zusammen mit der FDP geräuschlos führen kann. Hoch angerechnet wird ihm in der Landes-CDU, dass er die wichtigen innerparteilichen Flügel eingebunden hat.

Die „Ochsentour“:

In seiner Partei hat Laschet die berühmte „Ochsentour“ durch sämtliche Ebenen der Politik durchgezogen - vom Aachener Stadtrat über den Bundestag, das Europaparlament bis hin zum Landtag in Düsseldorf. 2017 hebelt er Hannelore Kraft (SPD) überraschend aus dem Amt und wird in NRW Regierungschef der derzeit einzigen CDU/FDP-Koalition in Deutschland.

Sein Geheimrezept:

Laschet ist oft unterschätzt worden. In innerparteilichen Wettbewerben musste er immer wieder Niederlagen einstecken, mit Zähigkeit kam er etwas später dennoch zum Ziel. So unterlag er etwa 2010 Norbert Röttgen bei der Wahl des CDU-Landesvorsitzenden. Nachdem Röttgen 2012 bei der NRW-Landtagswahl krachend gescheitert war, wurde Laschet schließlich doch Landeschef und im selben Jahr auch Vizevorsitzender der Bundes-CDU.

Kann er Kanzler?

Die Kanzlerschaft traut sich Laschet, der im Februar 60 Jahre alt wird, ohne weiteres zu - auch körperlich. Vor Marathonsitzungen oder 18-Stunden-Tagen, wie sie Merkel absolviere, habe er „die allerwenigsten Manschetten“, verriet er jüngst dem „Stern“. Er schlafe ohnehin nur fünf, sechs Stunden. „Meine Frau fragt mich oft, wie ich das durchhalte.“

dpa

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