Asthmamittel bei Covid-19: Ist das wirklich ein Durchbruch?

Coronavirus

Das Asthmamittel Budesonid könnte früh eingenommen vor schweren Covid-19-Verläufen schützen. Aber handelt es sich wirklich um einen „Game Changer“ in der Pandemie?

Berlin

13.04.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Asthmamittel Budesonid könnte bei der Behandlung von Covid-19 helfen.

Das Asthmamittel Budesonid könnte bei der Behandlung von Covid-19 helfen. © picture alliance/dpa

Eine Studie, die im Fachmagazin Lancet veröffentlicht wurde, deutet auf einen Nutzen des Asthmamittels Budesonid bei der Behandlung von Covid-19 hin. Früh eingesetzt, könnte es womöglich verhindern, dass Infizierte ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält das Mittel sogar für einen „Game Changer“ in der Pandemie, wie er bei Twitter schreibt.

Tatsächlich war die Zahl der Versuchsteilnehmer aber zu klein, um das beurteilen zu können. Für die Studie der Universität Oxford waren nur 71 Probanden mit Budesonid behandelt worden. Um den tatsächlichen Nutzen des Medikaments zu untersuchen, wären größer angelegte Untersuchungen nötig.

Nur geringe Zahl von Probanden

Von den 71 Corona-Infizierten, die Budesonid inhaliert hatten, wurde später nur einer ins Krankenhaus eingeliefert. In einer etwa gleich großen Kontrollgruppe sollen es zehn gewesen sein. In der Studie heißt es deshalb, 90 Prozent der Krankenhausaufenthalte seien verhindert worden. Bei so kleinen Zahlen ist die Aussagekraft allerdings stark begrenzt: Schon wenn durch Zufall eine Person mehr oder weniger erkrankt, folgt nämlich ein völlig anderes Ergebnis.

Auch treten schwere Verläufe in einer kleinen Gruppe von Probanden ohnehin nur mit geringer Wahrscheinlichkeit auf. Eine weitere Schwäche der Studie ist, dass sie nicht placebokontrolliert wurde. So hatten die Teilnehmer in der Kontrollgruppe kein wirkungsloses Scheinmedikament erhalten. Die Aussagekraft der Studie wird dadurch deutlich vermindert.

Überschießende Immunreaktion wird gehemmt

Dass Budesonid eine gewisse Wirksamkeit bei der Behandlung von Covid-19 hat – wenn auch vielleicht keine Wirksamkeit von 90 Prozent – ist aber durchaus zu erwarten. Budesonid ist ein sogenanntes Glucocorticoid und zählt zur Gruppe der Cortisone: genau wie der Wirkstoff Dexamethason, der von der europäischen Arzneimittelagentur zur Behandlung schwerer Verläufe von Covid-19 empfohlen und bereits standardmäßig eingesetzt wird. Cortisone hemmen Entzündungsreaktionen und überschießende Immunreaktionen des Körpers und werden deshalb zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Asthma verwendet.

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Auch bei schweren Verläufen von Covid-19 spielt die überschießende Reaktion des Immunsystems eine wichtige Rolle. Dexamethason wird daher eingesetzt, wenn Patienten beatmungspflichtig werden, Studien zufolge kann es die Sterblichkeit dann um bis zu 30 Prozent senken. Das Medikament wird dabei nicht inhaliert, sondern in Form von Tabletten eingenommen oder über einen Tropf verabreicht.

Zu einem frühen Zeitpunkt oder bei leichten Verläufen von Covid-19 wird Dexamethason hingegen nicht empfohlen und scheint auch nicht zu helfen. Es wird sogar befürchtet, dass es im frühen Stadium einer Infektion die natürliche Abwehrreaktion des Körpers hemmen und dadurch mehr schaden als nützen könnte.

Budesonid könnte Vermehrung des Virus hemmen

Ähnliches hatte man zunächst auch bei Asthmasprays befürchtet. Bei Budesonid scheint sich dieser Effekt aber nicht einzustellen. Es scheint vielmehr anders als Dexamethason schon im frühen Stadium zur Behandlung von Covid-19 geeignet zu sein. Die Autoren der Oxford-Studie liefern eine mögliche Erklärung: In Laborversuchen hatte sich gezeigt, dass cortisonhaltige Asthmasprays die Vermehrung von SARS-CoV-2 in den Schleimhäuten der Atemwege hemmen können. Ob und wie Budesonid standardmäßig zur frühen Behandlung bei Covid-19 eingesetzt werden kann, muss noch in weiteren Studien überprüft werden.

RND

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