Auch die Loveparade ist "Erinnerungsort" in neuem Projekt

Route durchs Revier

Das Ruhrgebiet bekommt ein weiteres großes Projekt. "Erinnerungsorte" soll es heißen und, wenn es nach Dieter Nellen vom Regionalverband Ruhr (RVR) geht, ebenso erfolgreich wie die Route der Industriekultur werden.

Essen

, 03.06.2014, 13:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieter Nellen olant das Projekt "Erinnerungsorte" für das Ruhrgebiet.

Dieter Nellen olant das Projekt "Erinnerungsorte" für das Ruhrgebiet.

Eigentlich ist Dieter Nellen (64), seit 1996 in Diensten des RVR und zuletzt Referatsleiter Kultur und Sport, auf dem Weg in den Ruhestand. Sein Büro hat er jedenfalls zum 31. Mai ausgeräumt. Aber was heißt schon Ruhestand? Der Regionalverband hat ihn gebeten, das Projekt "Erinnerungsorte" weiterhin zu begleiten.

Nicht auf der Landkarte

Erinnerungsorte - bisher gab es dazu 2012 und 2013 zwei internationale Tagungen für Fachleute - sind im Gegensatz zu den Stätten der Industrie nicht nur tatsächliche Orte, die auf einer Landkarte zu finden sind. Es sind auch Ereignisse, geistige Orte, schöne und entsetzliche Erinnerungen. "Die Loveparade ist ein Beispiel", erklärt Nellen. "Das war eine Tragödie, die die Menschen sehr bewegt hat." Oder der Bombenkrieg im Dritten Reich, der die Menschen bis heute stark beschäftigt.

Villa Hügel und Phoenix-Gelände

Aber auch wirkliche Orte gehören in diese Reihe, etwa die Villa Hügel in Essen oder das Phoenix-Gelände in Dortmund. Mit Aufrufen an die Bevölkerung will der RVR herausfinden, welche Erinnerungsorte den Menschen im Revier wichtig sind.

Danach soll - ähnlich wie bei der Route der Industriekultur - eine reale Tour entstehen, auf der die Menschen die Geschichte erleben können.

Das Ruhrgebiet verankern

Auch im Internet wird es die Erinnerungsorte geben. Dass es dabei zu Überschneidungen mit der Route der Industriekultur kommen kann, ist Nellen klar. "Aber die Geschichte des Ruhrgebietes reicht doch viel weiter zurück", betont der studierte Historiker Nellen.

Die Erinnerungsorte können und sollen auch touristisch eine Rolle spielen. Aber Nellen will sie - ebenso wie den noch erringenden Welterbetitel der Unesco - dazu nutzen, das Ruhrgebiet stärker national zu verankern. Auch in Berlin soll das Ruhrgebiet als Teil der deutschen Geschichte begriffen werden.

Vorschlag für die RuhrKunstMuseen Einen ungewöhnlichen Vorschlag hat Dieter Nellen für die RuhrKunstMuseen parat: „Sie sollten stärker mit der Rheinschiene zusammenarbeiten.“ Er meint die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, aber auch die Häuser in Köln und Bonn. Für den internationalen Tourismus mache das Sinn. Der Wittener wird künftig als Berater in der Kommunikationsagentur von Christian Boros mit Niederlassungen in Berlin und Wuppertal tätig sein. Boros ist auch ein bekannter Kunstsammler.

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