„Aufstand“ gegen Quarantäne in Massener Flüchtlingsunterkunft

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Die Corona-Quarantäne in der Massener Flüchtlingsunterkunft durchzusetzen, bleibt eine Herausforderung. Erneut gab es einen Polizeieinsatz, weil der Sicherheitsdienst der Lage nicht Herr wurde.

Unna

, 26.10.2020, 12:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Augenzeugen berichteten von einer „wütenden Meute“, die sich mit Gewalt in Freiheit kämpfen wollte, und auch der Begriff eines „Aufstands“ machte schnell die Runde. Die Polizei sei sogar mit einer Hundertschaft angerückt, um diesen Aufstand niederwerfen zu können.

Tatsächlich haben diese Meldungen einen wahren Kern, auch wenn sie bei kritischer Prüfung doch ein wenig dick auftragen. Immerhin zwei Stunden waren Kräfte der Polizei im Dienst, um dabei mitzuhelfen, eine durchaus aufgeheizte Lage zu beruhigen.

Eine größere Gruppe von Bewohnern hatte am Montagvormittag versucht, das Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung zu verlassen und dabei das Personal dort in hitzige Wortgefechte verstrickt. Die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde für den Betrieb der Einrichtung nannte die Vorfälle eine „Unruhe“.

Kreispolizeibehörde leistet Amtshilfe

Die Kreispolizeibehörde Unna war um Amtshilfe gebeten worden, weil der private Sicherheitsdienst der Erstaufnahmeeinrichtung in Massen befürchtete, der Lage nicht mehr Herr zu werden. Ab 11.32 Uhr fuhren mehrere Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn nach Massen.

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Wie groß das Einsatzkräftekontingent der Polizei tatsächlich war, ist in den seltensten Fällen zu erfahren. „Wir waren zunächst mit zahlreichen Kräften ausgerückt, die dann aber auch nach und nach wieder abgezogen werden konnten“, erklärte es Polizeisprecherin Vera Howanietz. Anzeigen geschrieben hätten die Kollegen vor Ort keine. Offenbar war es der Polizei, den Vertretern des städtischen Ordnungsamtes und dem Personal der Einrichtung gelungen, die Lage mit Gesprächen zu beruhigen.

Besondere Strategie zur Beruhigung

Einen hilfreichen „Kniff“ dafür wusste die Polizei: Sie teilte die Bewohner in kleinere Gruppen auf, die quasi durch den Zaun hinweg in mehreren Gesprächen vom Sinn der Quarantänemaßnahmen überzeugt wurden. Mithilfe eines Dolmetschers war es offenbar möglich, die Bewohner zum Bleiben zu bewegen.

Quarantäne um anderthalb Wochen verlängert

Hintergrund für die angespannte Lage in der Massener Erstaufnahmeeinrichtung ist eine Quarantäne-Verfügung durch das Gesundheitsamt des Kreises, die nun noch einmal verlängert worden war. Nachdem mehrere Corona-Tests positiv ausgefallen waren, hatte der Kreis sämtliche Bewohner in Quarantäne geschickt – zunächst bis zum 27. Oktober, nun aber nach weiteren Tests mit mindestens einem positiven Befund um anderthalb Wochen verlängert bis zum 6. November.

353 Menschen dürfen deshalb das Gelände nicht mehr verlassen. Doch schon in der vergangenen Woche gab es in der EAE Verstöße gegen die Quarantäne. Bewohner waren einfach über den Zaun geklettert.

Ähnliches bahnte sich an diesem Montag an. Eine Gruppe von Bewohnern habe damit gedroht, die Anlage eigenmächtig zu verlassen, wenn man sie nicht heraus ließe.

„Quarantänemaßnahmen sind wichtig, um eine Ausbreitung der Pandemie zu unterbinden, und natürlich tragen wir das mit. Aber ist auch klar, dass das eine Belastung ist für die Bewohner. Vielleicht hat die Verlängerung der Quarantäne Enttäuschung geschaffen, durch die es dann zu der Unruhe gekommen ist“, erklärt Ursula Kissel als Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg.

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