Ausstellung "200 Jahre Krupp" zeigt 1500 Exponate

Ruhr Museum Essen

Die nahtlosen Radreifen haben die Firma Krupp berühmt gemacht. Auch die Kanonen waren für den Erfolg der Firma wichtig. Aber seien wir ehrlich: In der Ausstellung "200 Jahre Krupp - Ein Mythos wird besichtigt" schauen wir besonders gern, von welchem edlen Porzellan die Familie aß. Oder wir gucken per Video zu, wie der letzte Spross der Krupps 1969 die Prinzessin von Auersperg heiratet.

ESSEN

von Von Bettina Jäger

, 29.03.2012, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

145.000 Besucher hatten im vergangenen Jahr die Foto-Ausstellung des Historischen Archivs der Firma Krupp auf Villa Hügel gesehen. Die Neugier ist also riesig auf diese Industriellendynastie, die seit Alfred Krupp (1812-1887) einen Hauch von großer weiter Welt in das wenig glamouröse Ruhrgebiet brachte. "Krupp ist ein Faszinosum", sagt Theo Grütter, Leiter des Ruhr Museums. Und so dürfte auch die neue Schau viele Besucher locken.1500 Exponate 1500 Exponate gibt es ab Samstag auf der Ausstellungs-Etage des Museums zu sehen, sehr gut geordnet und von Gestalter Hannes Bierkämper effektvoll auf weißen Einbauten präsentiert. So erzählt der Gang in der Mitte die Abfolge der Generationen in Urkunden und Gemälden. Der Gang links ist der Entwicklung der Firma gewidmet: Hier liegen die berühmten Besteckrohlinge, ein paar Meter weiter glänzt eine wunderschöne Registrierkasse. Die gigantische Granate des Geschützes "Dicke Berta" steht beispielhaft für die Rüstungsproduktion in der "Waffenschmiede des Reiches".Dokumente zeigen deutlich ausführlicher als die Schau auf Villa Hügel die Zusammenarbeit der Firma mit den Nazis. Die Ausstellungsmacher blieben übrigens unabhängig, finanzierten die 700.000 Euro teure Schau ohne Zuschuss der Firma Krupp. Der rechte Seitengang hat dagegen nur Positives zu berichten. "Von der Wiege bis zur Bahre" kümmerte sich der Konzern um seine Angestellten - mit den Werkssiedlungen, einem Wöchnerinnenhaus und dem "Altenhof" am Lebensabend.Krupps als Ritter verkleidet Und auch die Neugierde aufs Privatleben der Krupps befriedigt die Schau. Mit dem Kapitel der "starken Frauen" zum Beispiel, mit interessanten Videostationen und einem Kabinett über die Hundertjahrfeier 1912. Das geplante Mittelalter-Spektakel fiel damals wegen des Grubenunglücks auf Zeche Lothringen aus. Aber die Fotos der Generalprobe - alle Krupps als Ritter verkleidet - sprechen für sich. "Der Mythos Krupp ist janusköpfig", fasst Theo Grütter zusammen. Mal galten die Krupps als Ideal einer sozial gesonnen Unternehmerfamilie, mal als kriegstreiberische Dämonen. Sicher sei nur, dass die Krupps geniale Kaufleute waren - "mit der Bereitschaft, ihr persönliches Glück der Firma unterzuordnen."

- Ruhr Museum Essen: „200 Jahre Krupp – Ein Mythos wird besichtigt“, Kohlenwäsche auf Zollverein, Gelsenkirchener Str. 181, 31.3.-4.11., 10-20 Uhr (ab 1.10. nur noch 10-18 Uhr).
- Eintritt sechs Euro (erm. vier Euro), Kinder und Jugendliche unter 18 zwei Euro, Mediaguide vier Euro, umfangreicher Katalog 24,80 Euro.
- Begleitprogramm mit rund 70 Veranstaltungen. Höhepunkt ist die Podiumsdiskussion „Krupp – die mediale Konstruktion eines Mythos“ am 15. Mai um 19 Uhr (Eintritt frei, keine Anmeldung nötig) .

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