Ausstellung: Zufall mit System

DUISBURG Mathematische Winkelabmessungen, Bilder aus zerlaufenem Teer und überdimensionale "Bögen in Unordnung" - Das Duisburger Museum Küppersmühle zeigt mit "System und Zufall" die bislang umfangreichste Werkschau des französischen Künstlers Bernar Venet in Deutschland.

von Von Meike Jotzo

, 11.09.2007, 12:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie zusammengerollte Würmer liegen sie auf dem Boden, ineinander verdreht und verbogen. Die Enden ragen kreuz und quer in den Raum hinein – Bernar Venet nennt seine Stahlinstallation „Zufallsbedingte Kombination unbestimmter Linien“.

"Unbestimmt" deswegen, weil die einzelnen Stahlstangen nicht mathematisch bestimmbar sind: Sie sind frei. Frei und krumm. Das Duisburger Museum Küppersmühle zeigt mit "System und Zufall" die bislang umfangreichste Werkschau des französischen Künstlers in Deutschland.

Nackte Linie

Die Linie an sich ist eines der Hauptthemen Venets. Als "schmucklose, nackte Skizzierung der Form", die "erste Geste vor dem Unnötigen" beschreibt der Künstler sie in seinen Werk-Erläuterungen. Bereits seit 1976 beschäftigt sich der Franzose mit dem Thema. Anfangs noch im Zusammenhang mit mathematischen Formeln, die er als Bildmotiv nutzt.

Zum Beispiel bei den "zwei Bögen von 190° und 136°". Eine Arbeit, die genau das ist: Zwei runde weiße Leinwände mit eben diesen Winkelgrößen, übereinander platziert. Damit reduziert Venet den Inhalt der Bilder: Das, woraus jedes existierende Bild besteht, nämlich aus Formen, Kreisen, Linien - sind bei ihm bereits das Bild. Ein System.

Überdimensional

Die im Gegensatz dazu chaotisch erscheinende unbestimmte Linie brachte Venet Ende der 70er zum Stahl. Bis heute erstellt er teils überdimensionale Stahlskulpturen. Meterlange, dicke Stangen, zu Halbkreisen verbogen, sind das neueste Ausstellungsstück.

Das "Ensemble von Bögen in Unordnung" stammt aus 2007. Rund zwei Tonnen wiegt jede der vier deckenhohen Skulpturen. Wo Venet bei solchen Werken die Hilfe seiner Mitarbeiter und Fabrikmaschinen braucht, macht er kleinere Ausgaben selbst.

Kohleberg des Zufalls

Der Zufall spielte schon bei seinen frühesten Arbeiten eine große Rolle. Am Eingang stolpert der Besucher als erstes über Venets Kohleaufschüttung von 1963. Ein Werk, dass völlig frei ist von einer bewussten Komposition. Es bestimmt sich durch die Lage der Kohlebrickets selbst.

"Man kann es überall hinschaufeln, es entsteht ständig neu", erklärt Bernar Venet. Sprichts, greift sich eine Schaufel und schippt drauflos. Voilà: ein neues Kunstwerk ist entstanden. Die neue Lage des Haufens: ein Zufall. Entstanden nach den systematischen Gesetzen der Schwerkraft.

Museum Küppersmühle: "Bernar Venet. System und Zufall", 9.9.-28.10., Philosophenweg 55, Duisburg, mi 14-18 Uhr, do+sa+so 11-18 Uhr, fr nach Vereinbarung.

 

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