Autobahnen im Ruhrgebiet: Hier staut es sich 2016

Top 3 der Baustellen

Sie sind so notwendig wie nervig – vor allem für Pendler: Baustellen auf der Autobahn. Etwa 150 gibt es pro Jahr auf den 2200 Autobahnkilometern in NRW. Welche hier in der Region in diesem Jahr wohl für die meisten Staus sorgen werden? Wir haben nachgefragt und eine Top 3 zusammengestellt.

NRW

, 15.01.2016, 16:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei der stauanfälligsten Baustellen in diesem Jahr sind alte Bekannte der Berufspendler: der Ausbau der A 40 und die Sanierung der A 2 bei Kamen. Auf Platz eins der stauanfälligsten Baustellen, steht laut Straßen.NRW und ADAC aber ein neues Großprojekt: der sechsspurige Ausbau der A 43 zwischen Recklinghausen und Bochum.

 

Momentan sei die Lage noch „entspannt“, sagt Mario Korte, Baustellenkoordinator bei Straßen.NRW. Denn gearbeitet werde nur im Autobahnkreuz Recklinghausen. Jenseits der Fahrbahn entstehen seit August 2015 zwei neue Regenrückhaltebecken samt Filter. Wird die Fahrbahn breiter, fließt auch mehr Wasser ab. Das müsse aufgefangen werden.

Ab dem Frühjahr werden die Autofahrer die Baustelle zu spüren bekommen. Dann startet der sechsspurige Ausbau – zunächst zwischen Recklinghausen-Herten und dem Rhein-Herne-Kanal.

Staus könnten länger werden

Es sollen fast immer alle vier Spuren offen gehalten werden, allerdings werden sie verengt, das Tempolimit wird runtergesetzt. „Das wird übel für die Bewohner des mittleren Ruhrgebiets“, prognostiziert Peter Meintz vom ADAC. Allerdings seien die auf der A 43 auch Frust gewöhnt. Meintz: „Es ist bekannt, dass es dort voll ist.“ Auch Straßen.NRW rechnet nicht mit viel mehr Staus, als dort zu Rush-hour-Zeiten ohnehin schon sind. Laut ADAC aber könnten sie länger werden, denn jedes Jahr nehme der Verkehr auf der A 43 zu, so Meintz. „Bis der Ausbau beendet ist, wird dieser Abschnitt ein Problem bleiben.“

100.000 Fahrzeuge pro Tag

Also noch um die zehn Jahre. So lange wird es mindestens dauern, bis alle 22,5 Kilometer sechsspurig sind. 120.000 Fahrzeuge am Tag müssten dann größtenteils ohne Stau durchgekommen. Zum Vergleich: Jetzt verkraftet die Autobahn 75.000 Fahrzeuge, doch es rollen 100.000 am Tag über den Abschnitt zwischen Recklinghausen und Bochum. „Die Autobahn ist am Limit“, sagt Korte von Straßen.NRW.

Schneller werde der Umbau aber nicht beendet sein. Der zweite von insgesamt vier Bauabschnitten ist noch im Planfeststellungsverfahren und sei mit dem Umbau des Autobahnkreuzes Herne zudem „hochkomplex“.  Insgesamt müssen auf der Strecke sieben Ausfahrten und vier Autobahnkreuze sowie mehrere Brücken umgebaut und neue Lärmschutzwände errichtet werden.

Viel Farbe und ein freier Blick auf Bauwerke

Und hübscher soll die Autobahn werden. Mehr Farbe, bunte Pflanzen und transparente Lärmschutzwände mit freiem Blick auf die Umgebung – all dies sieht das 75-seitige Gestaltungshandbuch für den Autobahnabschnitt vor. Grundton der Lärmschutzwände soll Aluminium sein. Vor den jeweiligen Kreuzen kommt eine grellere Farbe hinzu. Hier einige Eindrücke:

 

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Umbau der A 43

Mehr Farbe und bessere Sicht auf die umliegenden Bauwerke: Die A 43 zwischen Recklinghausen und Bochum soll nicht nur umgebaut, sondern auch aufgehübscht werden.
14.01.2016
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Als Ausgleich für die Bauarbeiten muss die Regionalniederlassung von Straßen.NRW einiges für den Naturschutz tun. So sind bereits elf Höhlen für Fledermäuse entstanden, eine Überwinterungshöhle für Abendsegler und zwei Höhlen für Waldkäuze sowie Nisthilfen für Mäusebussarde.

 

Die A 2 zwischen Dortmund-Nordost und Kamen/Bergkamen bekommt ein umfassendes Face-Lifting. Das heißt: Die marode Fahrbahn wird komplett ausgetauscht, es gibt neue Straßenschilder, neue Leitplanken und Entwässerungsleitungen. Das Ganze auf einer Länge von knapp zehn Kilometern. „Eine für uns ungewöhnlich lange Baustelle“, sagt Baustellenkoordinator Korte. Bereits seit Anfang 2015 werden dort Fahrspuren verengt – oder fallen teils ganz weg.  Zu bestimmten Zeiten sei es dort sehr voll, sagt Meintz vom ADAC. Da lohne es sich, Ausweichrouten zu nehmen.

Schlimme Unfälle am Stauende

Viel schlimmer als Staus aber waren die Unfälle, zu denen es anfangs am Stauende kam. Allein in den ersten drei Monaten gab es mehrere Schwerverletzte, ein LKW-Fahrer kam bei einem Auffahrunfall ums Leben.  Jetzt gibt es am Fahrbahnrand zusätzliche Warnhinweise, die in mehreren Sprachen dazu aufrufen, Abstand zu wahren.  

Die Schilder hätten etwas gebracht, sagt Korte. „Die Fahrer sind aufmerksamer geworden.“ Zudem sei mittlerweile bekannt, dass dort eine große Baustelle ist. Gerade ausländische Lastwagenfahrer würden sich auch zunehmend untereinander vor der Gefahr warnen.  

Die besteht noch bis Mitte 2017. Dann soll die Rundum-Sanierung abgeschlossen sein.

Seit fast zehn Jahren müssen Pendler in Richtung Düsseldorf, Ratingen oder Duisburg  auf der Hauptverkehrsschlagader des Ruhrgebiets schon Nerven zeigen. Immer wieder verengte oder gar gesperrte Spuren, viele und lange Staus hat der Ausbau mit sich gebracht.  

Doch Baustellenkoordinator Korte hat gute Nachrichten: „Wir sind fast fertig.“ Zwischen Essen-Ost und Essen-Frillendorf werden in Fahrtrichtung Duisburg noch neue Lärmschutzwände errichtet. Meist morgens kommt es dort noch zu vier, fünf Kilometer langen Staus, denn durch die Bauarbeiten kann nicht mehr zweispurig von der A 40 auf die A 52 abgefahren werden.

ADAC: Es wird ruhiger auf der A 40

Dieses Jahr werde man dort aber fertig. Korte spricht von einer „erheblichen Verbesserung für den Autoverkehr“.  Umgekehrt müssen sich die Autofahrer noch gedulden – irgendwann soll es auch von der A 52 zweispurig auf die A 40 gehen. Das Projekt sei aber erst in der Planfeststellung. Der Ausbau sei auch aufwändiger. Dort stehe zum Beispiel ein Haus, das abgerissen werden müsste. Trotzdem rechnet auch Meintz vom ADAC, dass sich auf dem Ruhrschnellweg die Lage in den nächsten beiden Jahren beruhigen werde.

Manchmal muss der Stau ausgehalten werden

Allem Ausbau zum Trotz – „das Verkehrssystem im östlichen Ruhrgebiet ist sehr nah an den Kapazitätsgrenzen“, sagt Meintz vom ADAC. Staus können nicht generell vermieden werden. Stellt sich ein LKW quer und die Autobahn muss gesperrt werden oder ist das Wetter außergewöhnlich schlecht, wird es zu voll auf den Straßen. „Das kann man nur hinnehmen und mit Ruhe aushalten“, sagt Meintz. Außer bei Vollsperrungen bringe Abfahren zeitlich oft nichts - bis auf den psychologischen Vorteil, dass man weniger genervt sei, wenn man wenigstens rollt und nicht steht.

Für alle staugeplagten Pendler hat Meintz noch einen (privaten) Tipp: Beim Pendeln genau beobachten, ab wann es voll auf der Autobahn wird. Meintz: „Manchmal hilft es wirklich, nur 15 Minuten eher oder später loszufahren – und schon steht man kürzer oder gar nicht im Stau.“ Flexible Arbeitszeiten sollten genutzt werden. Meintz selbst hat eine zeitlang sein Frühstück zu Hause ausfallen lassen und vor der Arbeit im Büro gegessen. Vielleicht nicht ganz so gemütlich, aber dafür war der Weg frei.

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