"Bach zeigt die bessere Welt"

DORTMUND Yo-Yo Ma ist der zurzeit wohl weltbeste Cellist – ein Entdecker, der Musik der Appalachen, Filmmusik von Morricone, Pop von Bobby McFerrin und Klassik spielt. Ins Konzerthaus Dortmund kommt der 52-Jährige am 17. Januar mit den Königswerken für das Cello, drei der sechs Solosuiten von Bach (Nr. 3, 2 und 6). Julia Gaß sprach mit dem New Yorker.

von Von Julia Gaß

, 07.01.2008, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Cellist Yo-Yo Ma gastiert am 17. Januar im Dortmunder Konzerthaus.

Cellist Yo-Yo Ma gastiert am 17. Januar im Dortmunder Konzerthaus.

Hat Ihnen Ihr Kammermusikpartner Emanuel Ax schon vom Dortmunder Konzerthaus erzählt? Er spielt vier Tage nach Ihnen dort. Ma: Ja, wir haben darüber gesprochen. Es soll sehr schön sein, ich freue mich auf das Konzert. Sie sagen, alles was ich tue hat persönliche Gründe. Warum spielen Sie Bach? Ma: Wir leben in einer sehr lauten Welt. Bach war ein religiöser Mann, seine Musik ist spirituell. Ich will den Zuhörern eine Illusion schaffen, einen Raum für Fantasie. Bachs Musik ist so einfach, perfekt geformt, so objektiv und doch total subjektiv. Sie zeigt eine bessere Welt.

Sie versuchen Grenzen zu überschreiten, zwischen Kulturen und in der Musik. Bach hat für ein homophones Instrument polyphone Musik geschrieben und ist an die Grenzen der Möglichkeiten des Instruments gegangen. Ist das eine Herausforderung? Ma: Ganz genau. Es reizt mich, eine Illusion von Mehrstimmigkeit zu schaffen. Und Bach hat noch andere Grenzen überschritten. Schauen Sie auf die Sätze der Suiten: da ist eine deutsche Allemande, französische, italienische, spanische Tänze, die Ländergrenzen überschreiten.

Also ein „Seidenstraßen-Projekt im Kleinen?“ Sie haben dieses Projekt 1998 ins Leben gerufen und bringen damit Kulturen zusammen. Was war für Sie die spannendste Begegnung? Ma: Das Schönste ist, dass wir Musiker neun Jahre später eine Band geworden sind von Menschen, die in tiefer Freundschaft verbunden sind. Auch junge Musiker.

Sie haben in Ihrer Kinofilmserie „Inspired by Bach“ die sechs Bach-Suiten bebildert: In der 1. Suite verwandelt sich ein Hochhaus in eine Gartenlandschaft, in der 6. Suite ist das Eistanzpaar Torvill/Dean dabei. Ist das ein Versuch, diese Werke, die viel Konzentration erfordern, den Menschen näher zu bringen? Ma: Das hat Bachs Musik nicht nötig, sie ist wundervoll. Meine Idee war, sechs Mal Individuen zu zeigen: Eis- und Balletttänzer, eine Garten-Architektin. Ich will zeigen, was zwischen den Menschen und der Musik passiert. Ins Kino gehen mehr Leute, aber Bach ist populär, er braucht meine Hilfe nicht.

Sie wurden 2006 von Kofi Annan zum UN-Friedensbotschafter ernannt. Welche Aufgabe ist Ihnen in dieser Funktion wichtig? Ma: Ich bin kein Politiker. Als Musiker gebe ich Komponisten aus allen Ländern eine Stimme. Durch meine Projekte sind Freundschaften entstanden. Länderübergreifend.

Sie gelten als der beste Cellist der Welt. Ihr Landsmann Lang-Lang ist einer der besten Pianisten, in Dortmund hat gerade der zehnjährige Niu Niu das Publikum fasziniert. Ist die Musikerausbildung in China besser? Ma: Die meisten Chinesen haben nur ein Kind, dem wollen sie die beste Ausbildung geben, sie investieren mehr in ihr Kind, und Hausmusik hat einen sehr hohen Stellenwert. Möglich, dass die Kinder auch mehr üben.

Niu Niu heißt kleiner Büffel. Was heißt Yo-Yo? Ma: Yo heißt Freund. Also „Freund Freund“. Ich mag Menschen.  Termine: 17.1., 20 Uhr, Konzerthaus Dortmund. 20.1. Philharmonie Köln, 22.1. Residenz München. Karten für Dortmund: Tel. (0231) 22 69 62 00.

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