Bei der internationalen Ballettgala ging es mit Elan ins Tanzparadies

mlzBallettgala in Dortmund

Im Juni wurde die 31. internationale Ballettgala im Dortmunder Opernhaus wegen Corona abgesagt. Jetzt eröffnete sie die Saison – ein Schritt in Richtung Normalität.

13.09.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht: Ein halbes Jahr nach dem Corona-Lockdown ist auch Ballett wieder möglich. – Mit einem verkürzten Programm, weniger Publikum, mit Abstand und Pas-de-deuxs von Tänzern, die zusammenleben, hat das Theater Dortmund am Samstag und Sonntag die 31. internationale Ballettgala präsentiert. Nur schade, dass das Dortmunder Opernhaus mit nur 280 Besuchern ausverkauft war. Dafür fühlt man sich wunderbar sicher und beschützt in diesem Haus.

Klassischer Spitzentanz

Moderner Tanz dominierte den rund anderthalbstündigen, bewährt von Hannes Brock moderierten Abend. Den klassischen Spitzentanz-Augenschmaus präsentierten Pirouettenwunder Iana Salenko und Sprungstar Danill Simkin vom Staatsballett Berlin in der Petipa-Choreografie von „Le Corsaire“. Ein Traumpaar.

Simkiin begeisterte das Publikum, das so jubelte wie sonst 1170 Besucher, auch mit einem hinreißend elegant und geschmeidig getanzten Solo zum Chanson von Jacques Brél in der Choreografie des Essener Ballettchefs Ben van Cauwenbergh. Ebenfalls fantastisch: das Solo „Ssss“ von Mattheo Miccini zu Musik von Chopin.

Düsteres Pas-de-deux

Etwas düsterer als die anderen acht Nummern war der Pas-de-deux con Filipa de Castro und Carlos Pinillos vom Nationalballett Portugal. Ihr „Passo Continuo“ in der Choreografie von Mauro Bigonzetti war ein langsam, mit immenser Körperspannung getanztes Ballett der originellen Posen. Und wenn diese Choreografie Tempo aufnahm, war sie noch etwas faszinierender.

Der Wirbelwind unter den 24 Tänzern der drei Vorstellungen war Artur Shesterikov, der in einem Piazolla-Tango in der Choreografie von Hans van Manen rasant schnell über die Bühne wirbelte. Das sinnliche Gegenstück an dem wieder sehr kontrastreichen und abwechslungsreichen Abend, war Didos Abschied aus der Oper von Purcell. Sidi Larbi Cherkaoui hat diesen Pas-de-deux mit wunderbar weichen Bewegungen für Misako Kato und Hector Ferrer vom Royal Flandern-Ballet hinreißend choreografiert.

Sehnsucht nach Sinnlichkeit und Nähe

Und wie in vielen der langsamen Choreografien dieses Abends spürte man die große Sehnsucht der Tänzer nach Sinnlichkeit und Nähe, nach weichen Bewegungen und Geschmeidigkeit.

Drei Paare des NRW-Juniorballetts zeigten im Frühling aus den „Jahreszeiten“, das sie die Tanz-Zwangspause mit Heimtraining gut überbrückt haben. Und zwei Ausschnitte aus künftigen Produktionen gab es bei der Gala auch: Der Dortmunder Weltstar Lucia Lacarra tanzte mit ihrem Partner Matthew Golding aus dem von ihr zusammengestellten Abend „Fordlandia“ – zum Dahinschmelzen schön, mit traumhaften, weichen Bewegungen; ein Höhepunkt der Gala. Die Premiere ist am Samstag (19.9.).

Tanz-Abenteuer

Fünf Tänzer der Dortmunder Compagnie präsentierten am Schluss einen Ausschnitt aus Xin Peng Wangs letztem Teil der „Göttlichen Komödie“. „Paradiso“ soll im Februar uraufgeführt werden und offenbar wird das kein Ausflug in ein sanftes Bilderbuchparadies, sondern ein dynamisches Tanz-Abenteuer – zum Teil auf der Spitze getanzt.

Die nächste internationale Ballettgala im Dortmunder Opernhaus ist im Juli 2021 geplant – dann hoffentlich wieder vor vollen Rängen.

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