Bei Einreise aus Risikogebieten: Wie sinnvoll sind Corona-Tests vor dem Urlaub?

Coronavirus

Für Urlauber, die aus Corona-Risikogebieten einreisen wollen, gelten besondere Regeln. Doch selbst damit ist eine Infektion nicht ausgeschlossen, kritisieren Experten.

NRW

27.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wer aus einem Risikogebiet an die Ostsee reisen möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Wer aus einem Risikogebiet an die Ostsee reisen möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. © picture alliance/dpa

Der lang ersehnte Sommerurlaub ist für viele bereits zum Greifen nah. Doch nun könnten sogar die Ferien an den heimischen Stränden oder in süddeutschen Gebirgen ins Wasser fallen. Immer mehr Bundesländer hatten Beschränkungen für Reisende aus Corona-Hotspots erlassen. So hatten zum Beispiel Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und weitere Bundesländer bereits ein Beherbergungsverbote für Personen aus betroffenen Regionen ausgesprochen.

In Schleswig-Holstein sollten Einreisende aus Risiko-Gebieten für zwei Wochen in Quarantäne, sofern sie keinen negativen Corona-Test vorweisen konnten. Doch eine bundesweite Regelung ließ auf sich warten. Nun haben sich Bund und Länder aber auf neue Corona-Reisebeschränkungen geeinigt.

Grenzwert entscheidend für Corona-Test

Für Menschen aus stark vom Coronavirus betroffenen Gebieten – wie aktuell Gütersloh oder Warendorf – könnte der geplante Sommerurlaub zu einer Herausforderung werden. Denn in den Bundesländern gelten Einschränkungen für Urlauber, die aus Corona-Risikogebieten einreisen wollen. Entscheidend ist dabei der Grenzwert der Neuinfektionen am Wohnsitz, welcher die 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen nicht überschreiten darf.

Wer aus einem dieser Corona-Risikogebiete anreist, muss nun bei der Ankunft einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Experten zweifeln jedoch die Aussagekraft dieser Labortests an.

Kosten für Corona-Test werden nicht von Krankenkasse übernommen

Die geforderten PCR-Tests sind nicht gerade einfach zu realisieren. Urlauber aus betroffenen Gebieten müssen den prophylaktischen Rachen- oder Nasen-Abstrich 48 Stunden vor Anreise bei einem Arzt durchführen lassen. Dabei muss jedoch auch der zeitliche Aufwand für das Einsenden und die Analyse der Probe im Labor mit eingerechnet werden. Damit der Befund rechtzeitig vorliegt, sollten Urlauber aus Risikogebieten den Ablauf mit ihrem Arzt besprechen.

„Es ist also ein wahnsinniger Aufwand – rein logistisch – und außerdem fordert es auch enorme Testkapazitäten, die wir gar nicht haben“, befürchtet Dr. Susanne Pfefferle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Hinzu kommt, dass die Krankenkassen die Kosten für einen Test bisher in der Regel nur übernehmen, wenn er medizinisch notwendig ist. Ein geplanter Urlaub fällt nicht darunter. Die Kosten belaufen sich pro Person auf bis zu 150 Euro.

„Sollten Menschen in den Urlaub fahren wollen und einen solchen Test brauchen, muss Ihnen das bewusst sein“, so Pfefferle. „Sie müssen sich deshalb auch unbedingt an alle geltenden Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen halten.“

Urlaub in Corona-Zeiten: Negatives Testergebnis bietet keine Sicherheit

Doch selbst ein negativer Laborbefund bietet keine Sicherheit. „Ein negativer PCR-Test auf Sars-CoV-2 ist nur eine Momentaufnahme“, bestätigt Epidemiologe Prof. Dr. Ralf Reintjes von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Die Tests seien zwar zuverlässig beim Nachweis vom genmaterial des Coronavirus zum Zeitpunkt des Abstrichs, doch das schließe weder eine bestehende Infektion in der Inkubationsphase aus, noch eine Ansteckung kurz nach der Untersuchung. „Somit besteht die Gefahr, dass der Untersuchte sich möglicherweise fälschlich in Sicherheit wiegt“, warnt Reintjes.

Die geforderten PCR-Tests sind also keine Garantie dafür, dass wirklich keine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Weil er nur den Ist-Zustand im Moment der Probenentnahme darstellt, wird nicht jede Infektion mittels PCR-Test entdeckt. Allerdings kann die Laboruntersuchung bei der Eindämmung der Pandemie helfen, wenn dabei eine symptomfreie Infektion entdeckt wird.

„Wenn am Urlaubsort alle Regeln befolgt werden, sollte es sowieso nicht zu einer signifikanten Verbreitung kommen“, meint Virologe Prof. Dr. Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Trotzdem schließt er sich der Empfehlung des Robert Koch-Instituts an: „Reisende, die zwar negativ getestet wurden, aber Symptome entwickeln, sollten sich noch einmal testen lassen.“ Und für all jene, bei denen eine akute Infektion mit Covid-19 vorliegt - oder die Kontakt zu einem Infizierten hatten - gilt ohnehin das Reiseverbot.

RND

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