Bejubelte Uraufführung von Heuckes "Iokaste"-Oper

Ruhrfestspiele

Den ganzen Labdakiden-Mythos, eine Familientragödie über drei Generationen, erzählt Stefan Heucke in seiner zweiten Oper in zweieinhalb Stunden. Die Uraufführung des Musikdramas "Iokaste" feierte das Publikum am Sonntag bei den Ruhrfestspielen im Theater Marl mit Ovationen.

MARL

, 09.06.2014, 15:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine doppelte Iokaste: Mezzosopranistin Birgit Remmert (l.) und Schauspielerin Veronika Maruhn teilten sich die Rolle in der Uraufführung der Oper »Iokaste« des Bochumer Komponisten Stefan Heucke bei den Ruhrfestspielen in Marl.

Eine doppelte Iokaste: Mezzosopranistin Birgit Remmert (l.) und Schauspielerin Veronika Maruhn teilten sich die Rolle in der Uraufführung der Oper »Iokaste« des Bochumer Komponisten Stefan Heucke bei den Ruhrfestspielen in Marl.

"Iokaste" des 55-jährigen Bochumers ist eine Kammeroper mit ungewöhnlicher Besetzung: Mezzosopranistin Birgit Remmert und Schauspielerin Veronika Maruhn ergründen die Figur der tragischen Geliebten ihres Sohns Ödipus in Zwiegesprächen, mit inneren Stimmen, zum Teil als Melodram und in Dialogen mit den anderen Figuren. Über allem steht Lajos, der die ganze Sippe aus Theben verflucht hat, als riesiges Bild. Die Oper folgt dem Theaterstück von Jörg Maria Welke, der auch Regie geführt hat.

Köpfe aus Glas

Mit sechs Glasköpfen auf Stelen holen die Iokaste-Darstellerinnen die anderen Figuren ans Publikum heran. Heuckes Oper ist durchkomponiert tolle Musik, in der Richard Strauss aufblitzt, Alban Berg anklingt, Mahler durchschimmert, in der das Fluchmotiv in wagnerschem Sinn immer wieder präsent ist. Heucke ist kein Neutöner, er schreibt hier auch prächtige Kriegs- und Palastmusik. Und Zaubermusik in schillernden Farben. Mehr die Gefühle als die Figuren charakterisiert die eingängige und harmonische, illustrative Musik. Die Duisburger Philharmoniker waren unter Leitung von Rüdiger Bohn sehr aufmerksame und genau musizierende Interpreten.

Es war eine gewaltige Leistung von Birgit Remmert, diese Musik- und Textmassen in den 24 Szenen so souverän und ausdrucksstark auf die Bühne zu bringen. Ihre hochpräsente Iokaste bittet, schreit, liebt und singt sogar noch, als sie tot ist: Auch das Schicksal ihrer vier Kinder mit Ödipus hat Heucke vertont.

Veronika Maruhn durfte auch die anderen Rollen andeuten und tat dies mit viel Trotz, Witz und Charme. Auch das war großartig.

Einsam und ungeliebt

Dieser Iokaste, der einsamen und bis in den Tod ungeliebten Frau, kann man eine Zukunft auf den Opernbühnen nur wünschen. 

 

Zweite Vorstellung am 10. 6., 20 Uhr, Theater Marl. Karten: Tel. (023 61) 9 21 80. Um 18 Uhr beginnt die kostenfreie Diskussion "Musiktheater heute" mit Bundestagspräsident Norbert Lammert. 2015 ist "Iokaste" bei den Duisburger Akzenten zu sehen.

 

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