Bericht: Grüne fordern Aufpreis für Fleisch

Ernährung

Die Grünen trafen lange keine Aussagen mehr über Fleischkonsum, doch nun legt die Partei eine Kehrtwende hin. Tierische Produkte sollen einen Aufpreis bekommen - im Sinne des Klimaschutzes.

Berlin

19.12.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Landwirtschaft sollte auch in die Bepreisung von Klimagasen einbezogen werden, so Robert Habeck gegenüber der taz. Nachweislich ist die Massentierhaltung für einen großen Anteil an Methan in der Atmosphäre verantwortlich.

Die Landwirtschaft sollte auch in die Bepreisung von Klimagasen einbezogen werden, so Robert Habeck gegenüber der taz. Nachweislich ist die Massentierhaltung für einen großen Anteil an Methan in der Atmosphäre verantwortlich. © dpa

Die Grünen haben beschlossen, Fleisch und andere tierische Lebensmittel mit einem Aufpreis für Klimagase verteuern zu wollen. Die Bepreisung für landwirtschaftliche Produkte gehöre bislang nicht zu jenen Sektoren, die durch den europäischen Emissionshandel erfasst würden.

Dies solle sich nun ändern - angefangen bei tierischen Lebensmitteln, heißt es offenbar in einem Beschluss der Bundesdelegiertenkonferenz, der bereits Mitte November gefasst worden sein soll und bislang weitgehend unbemerkt blieb. Darüber berichtete nun die Tageszeitung „taz“.

„Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deshalb sollte sie auch in die Bepreisung von Klimagasen miteinbezogen werden“, sagte Parteichef Robert Habeck der taz.

Noch unklar, ob über Zertifikate oder Steuer

Ob der Aufpreis in Form von Zertifikaten oder einer Steuer erfolgen soll, ist demnach noch unklar. Laut „taz“ soll dem Wortlaut des Beschlusses zufolge beides möglich sein - mit dem Ziel, mit einem höheren Preis für besonders treibhausgasintensive Produkte Verbraucher abzuschrecken, den Konsum zu reduzieren und so das Klima zu entlasten.

Die Agrarbranche soll nach Zahlen des Umweltbundesamts direkt für 7 Prozent der deutschen Treibhausgase verantwortlich sein. Besonders ins Gewicht fällt dabei Rindfleisch. Für ein Kilogramm werden Beratern des Landwirtschaftsministeriums zufolge 23-mal so viel Treibhausgase ausgestoßen wie für die gleiche Menge Gemüse, berichtet die taz.

Kehrtwende nach Veggieday-Flop

Die Grünen wollen damit offenbar durchsetzen, dass nicht nur die Klimagas-Emissionen aus Verkehr und Wärme bepreist werden, sondern auch die aus der Landwirtschaft. „Der Beschluss kann als eine Kehrtwende gelten, nachdem das Thema Konsum von Tierprodukten nach der Veggieday-Kampagne der Springerpresse 2013 jahrelang in der Partei gemieden wurde“, sagte Philipp Bruck der taz. Der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Tierschutzpolitik der Grünen hatte die Entscheidung demnach initiiert.

Keine Einigung über Höhe des Aufpreises

Weil der Veggieday in weiten Teilen der Bevölkerung so unpopulär war, hatte die Partei 2014 die Aussage beschlossen, es sei ihr „herzlich egal“, ob „jemand am Donnerstag Fleisch isst oder nicht“. Diese Einigung ist damit Geschichte. „Heute sind Partei und Gesellschaft weiter, eine Steuer oder Abgabe auf Fleisch und Milch löst keine Panik mehr aus“, wird Bruck von der taz zitiert.

Wie hoch der Aufpreis ausfallen soll, ist laut taz noch unklar. Offen bleibt zudem, welche Pläne die Grünen mit Einnahmen aus dem Aufpreis hätten. Im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern waren gerade erst erhebliche Neuerungen beim Klimapaket vereinbart worden. So soll etwa der CO2-Preis ab 2021 nicht wie angedacht auf zehn Euro steigen, sondern 25 Euro.

RND

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