Besucher hören Herzenslieder per App

Stadtmuseum Werne

Ein Besucher wandelt durch die neue Sonderausstellung des kleinen Heimatmuseums in Werne. Bei jedem Schritt knarzen die Holzdielen. Alte Veranstaltungsplakate säumen seinen Weg. Sie erzählen von Kammerchören und Herbstkonzerten, von Kapellmeistern und Sängerknaben. Sie erzählen von Musik - und dank der neuen App auf seinem Smartphone bekommt der Besucher nun auch ganz schön was zu hören.

WERNE

, 26.04.2017, 16:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neue Sonderschau im Karl-Pollender-Stadtmuseum in Werne stellt Menschen und ihre Lieblingslieder vor. Welche emotionale Verbindung haben sie zu der Musik? Welche Musik erzählt ihre ganz persönliche Geschichte? "…davon ich sing'n und sagen will. Luther-Lieder und Herzenslieder" ist eine musikalische Ausstellung im Lutherjahr.

Was diese Ausstellung besonders macht, ist aber weniger die Tatsache, dass der Besucher die Stücke hören kann, sondern mehr die Art und Weise, wie er sie hören kann. Die Westfälische Hochschule hat eigens für das kleine Heimatmuseum eine App entwickelt: "em3guide" - "einfacher multimedialer Museums-Guide".

Für das Stadtmuseum fast schon revolutionär

Apps zu Dauer- und Sonderausstellungen gibt es nach Angaben des Deutschen Museumsbundes mit Sitz in Berlin schon. Das Neanderthal Museum in Mettmann bietet zum Beispiel eine App mit Audiotexten an, die Glyptothek in München will mit ihrer App "antike Meisterwerke neu erlebbar" machen.

Für das Stadtmuseum in Werne sei diese Art der Museumsführung aber fast schon "revolutionär", wie Andreas Heinecke von der Westfälischen Hochschule erklärt. "So ein Programm ist wesentlich kostengünstiger als der klassische Audioguide." Rund 300 Euro habe das Stadtmuseum für die Methode ausgeben müssen. Für den Nutzer ist das Herunterladen kostenlos.

Moderne Lautsprecher - altmodische Melodien

Inzwischen ist der Besucher vorbei an der Wand mit den Plakaten, er bleibt stehen. Die Holzdielen hört er nicht mehr, nur noch ein leises Summen an seinem Ohr. Er hat die App installiert und die Daten über das W-Lan-Netz des Museums heruntergeladen - ganz schnell, ganz einfach. Er liest die Texte an der Wand, die Geschichten von Menschen, die er nicht kennt. Ihre "Herzenslieder" kann er sich jetzt anhören.

"Renate Eckelt, was hat dir so gut gefallen?", fragt er sich. "Wie klingt der Kanon von Kurt Richter, mit dem dein Leben nach dem Kriegsende einen neuen Anfang nahm?" Er gibt die Nummer 207 ein und aus den modernen Lautsprechern klingt eine altmodische Melodie. So alt wie die Dielen, die er wieder knarzen hört, als er das Museum verlässt - die App auf dem Handy, die Ausstellung komprimiert in seiner Hosentasche.

Stadtmuseum Werne: "…davon ich sing'n und sagen will. Luther-Lieder und Herzenslieder", Kirchhof 13, bis 31.5., Di-Fr 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, So 12 bis 15 Uhr. Eintritt frei. Weitere Infos unter 

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