Bettgeflüster übers Internet macht dem Zuschauer Spaß

Theater Dortmund

Es geht um Fernbeziehung, Eifersucht, Verlustangst. Zwei Paare wollen per Skype Kontakt zu ihren Partnern halten. Mehr noch erzählt "Die Liebe in Zeiten der Glasfaser" vom privaten und beruflichen Scheitern, vom Zerplatzen schöner Seifenblasen, die das Quartett mit dem Satz "Ich freue mich auf..." beschreibt.

DORTMUND

, 26.02.2016, 16:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Flirt per Internet: Julia Schubert zeigt „Liebe in Zeiten der Glasfaser“.

Flirt per Internet: Julia Schubert zeigt „Liebe in Zeiten der Glasfaser“.

Das Stück (Donnerstag im Megastore des Dortmunder Theaters uraufgeführt) ist eine tragikomische Demontage von Lebensentwürfen, die einmal mehr beweist, dass Balladen vom Straucheln spannender sind als Erfolgsgeschichten. Die Darsteller, die mit Regisseur Ed. Hauswirth den Stoff entwickelt haben, legen eine hinreißende Spielfreude an den Tag. Das hat Schmiss, wie sie sich verausgaben und fröhlich in die Vollen gehen. Uwe Schmieder gibt den Professor für Mediensoziologie, Friederike Tiefenbacher seine Frau Helena, eine Schauspielerin.

Bettgeflüster und Lügen

Dann sind da Antonia (Julia Schubert), Studentin des Professors und ihr Freund Tomasz (Peer Oscar Musinowski), der von einer Karriere bei Ikea träumt. Der Dozent geht nach Dänemark, seine Frau probt in Breslau. Die Studentin absolviert ein Semester in Rom. In vier Wohnwaben, die Michael Sieberock-Serafimowitsch (Bühne) in die Halle des Megastores gestellt hat, wird fleißig Bild-telefoniert.

Bettgeflüster, Fußerotik und Lügen übers Internet. "Schatz, du fehlst mir!" Dabei hat der "Prof" eine Affäre mit Antonia, deren Busen er im Laptop beglotzt. "Sehr plastisch", finde er das Konzept ihrer Masterarbeit. Urkomisch auch die Szene, wo Helena im Nazikostüm die Geschändete mimt und die Regie meckert: "More hecheling, not comedy!" Und: "Wie hätte die Sukowa das gespielt?"

Bildausfall umgemünzt

Bestnoten für die Darsteller, die selbst einen Bildausfall in Applaus ummünzen: "Scheiß Skype, kein Empfang. Ich gehe zu meiner Nachbarin!" Sonst aber funktioniert die Technik tadellos. Bühne, Requisite, Live-Projektion, Multimedia und Musik (Tommy Finke) arbeiten Hand in Hand, ohne dass sich der Apparat vor die Schauspieler schiebt. Das ist bissig, kurzweilig, lebensnah, voller schöner Idee. Diese klappt nur im Megastore: Rolltore zur Straße gehen hoch - hoppla, fällt die letzte Barriere zur Wirklichkeit. 

Termine 5./12. u. 30.3. Karten unter Tel. (0231) 50 27 222.

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