Biden kurz vor dem Ziel: Wann weitere Ergebnisse erwartet werden

Wahlen in den USA

Gespannt schauen Amerika und die Welt auf Arizona, Pennsylvania, North Carolina, Georgia und Nevada. Dort zeichnen sich denkbar knappe Ergebnisse der Präsidentschaftswahl ab.

Washington

07.11.2020, 07:36 Uhr / Lesedauer: 4 min
Joe Biden (links) ist Favorit auf den Wahlsieg in den USA gegen seinen Kontrahenten und Amtsinhaber Donald Trump.

Joe Biden (links) ist Favorit auf den Wahlsieg in den USA gegen seinen Kontrahenten und Amtsinhaber Donald Trump. © picture alliance/dpa

Die Chancen für Joe Biden auf einen Sieg der Präsidentenwahl der USA steigen immer weiter. Laut dem US-Nachrichtensender CNN führt der demokratische Demokrat nun auch hauchdünn in den Bundesstaaten Pennsylvania und Georgia. Ein Sieg in Pennsylvania oder alternativ zwei anderen Staat würde Biden inzwischen reichen, sich die nötige Mehrheit von 270 Stimmen der Wahlleute zu sichern. Wenn Biden sowohl in Pennsylvania, als auch in Georgia gewinnen würde, käme er sogar 290 Stimmen der Wahlmänner. Auch die Zwischenergebnisse in Arizona weisen auf eine Sieg des 77-Jährigen hin. Einige Medien haben dem Demokraten diesen Bundesstaat bereits zugeschrieben.

Für den amtierenden Präsidenten Donald Trump wird es nun sehr eng. Aktuell kommt er auf 213 Stimmen der Wahlleute. Selbst wenn Biden nur Arizona für sich entscheidet, müsste Trump alle noch offenen Bundesstaaten gewinnen.

Bis alle Stimmen endgültig ausgezählt sind, wird es allerdings noch ein wenig dauern. Neben Pennsylvania und Georgia zählen die Wahlhelfer zudem weiterhin in Alaska, North Carolina, Arizona und Nevada. Außer in Alaska zeichnete sich in den anderen Staaten ein sehr knapper Ausgang ab. Angesichts der für die USA ungewöhnlich langen Hängepartie nach der Abstimmung vom Dienstag kam es in mehreren Städten zu teils gewaltsamen Protesten.

Wann geben die Staaten weitere Ergebnisse bekannt?

Die ganze Welt wartet gebannt auf eine Entscheidung. Wann kann mit einem endgültigen Ergebnis gerechnet werden? Und wie ist der aktuelle Zwischenstand? Ein Überblick. (Stand: 05.45 Uhr MEZ)

Georgia - 16 Wahlleute

Mit 4395 Stimmen führt Joe Biden im Südstaat Georgia. Aktuell bedeutet das eine Verteilung von 49,4 (Biden) zu 49,3 Prozent (Trump) bei mehr als 99 Prozent der ausgezählten Stimmen. Die aktuellen Ergebnisse haben eine Wende eingeläutet, denn bis Freitagmorgen hatte Donald Trump geführt, der den Staat auch 2016 gewinnen konnte. Der Vorsprung Bidens ist allerdings nur hauchdünn, eine Neuauszählung sämtlicher Stimmen ist äußerst wahrscheinlich. Beide Kandidaten können diese beantragen, sofern ein Abstand von höchstens 0,5 Prozentpunkten vorliegt. Seit Bill Clinton 1992 hat kein Demokrat mehr in Georgia gewonnen.

Auch wenn nur noch wenige Tausend Stimmen ausgezählt werden müssen, werden auch in den kommenden Tagen noch Briefwahlstimmen angenommen. Darunter fallen ebenfalls die Stimmen von Militärmitgliedern aus Übersee.

Pennsylvania - 20 Wahlleute

In dem Staat im Nordosten führte Trump zu Beginn der Auszählung zeitweise mit mehr als 700.000 Stimmen. Biden holte aber mit Auszählung der Briefwahlstimmen immer mehr auf und übernahm am Freitag die Führung in dem Rennen. Zuletzt lag er mit rund 28.833 Stimmen vorne - Tendenz steigend.

Bei einem Auszählungsstand von rund 96 Prozent liegt Biden zurzeit mit einem Vorsprung von 0,5 Prozentpunkten vor Trump. Letzterer kommt nun auf 49,1 Prozent, während Biden bei 49,6 Prozent steht. Sollte der 77-Jährige diesen Staat gewinnen, reichen die Stimmen zum Wahlsieg.

Die Wahlbehörde hat angekündigt, dass die Auszählung noch „mehrere Tage“ dauern könnte - es ist aber nicht ausgeschlossen, dass bereits am Samstag ein Kandidat zum Sieger erklärt wird. Stimmen von Militärmitgliedern dürfen hier noch bis zum 10. November eintreffen.

North Carolina - 15 Wahlleute

Auch in dem Ostküsten-Staat gibt es noch keine Entscheidung. Bei einem Auszählungsstand von schätzungsweise 98 Prozent lag Trump mit 50,0 Prozent vor Biden (48,6 Prozent).

In North Carolina werden noch Briefwahlzettel akzeptiert, die bis zum 12. November ankommen. Gut möglich, dass der Bundesstaat bis dahin kein Ergebnis bekannt gibt.

Nevada - 6 Wahlleute

In Nevada führte Biden mit 49,8 Prozent der Stimmen knapp vor Trump (48,0 Prozent). Am Freitag konnte Joe Biden seinen Vorsprung fast verdoppeln und liegt rund 22.600 Stimmen in Führung.

In Nevada kommen allerdings noch immer neue Briefwahlstimmen in den Wahllokalen an. Alle Stimmzettel, die bis zum späten Abend des 10. November eintreffen, werden gewertet.

Arizona - 11 Wahlleute

Hier hielt das Trump-Lager weiter die Hoffnung hoch, das Ergebnis noch kippen zu können. Die bei der Bekanntgabe von Ergebnissen sehr zurückhaltende AP hatte in Arizona bereits in der Wahlnacht eine Entscheidung für Biden gemeldet, ebenso der TV-Sender Fox. Am Freitagabend führte Biden bei einem Auszählungsstand von 97 Prozent noch mit 49,6 Prozent vor Trump mit 48,6 Prozent - das entspricht rund 29.861 Stimmen. Der Vorsprung schmolz aber.

Hier könnte sich die Auszählung der Stimmen noch bis zum Wochenende hinziehen. Mit noch acht Prozent nicht ausgezählter Stimmen hat Arizona noch viel vor sich.

Alaska - 3 Wahlleute

Alaska ist traditionell republikanisch - und wird es auch bei dieser Wahl bleiben. Offizielle Vertreter des Bundesstaats haben bereits angekündigt, dass Alaska der letzte Staat sein könnte, der seine Auszählung beendet. Nach 47 Prozent ausgezählter Stimmen kommt Trump auf 62,9 Prozent. Biden liegt abgeschlagen bei 33 Prozent.

Die Wahlkampfmanager beider Seiten erklärten, ihre Kandidaten seien siegessicher und würden sich die noch offenen Bundesstaaten sichern. „Unsere Daten zeigen, dass Joe Biden der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird“, sagte Bidens Wahlkampfmanagerin Jen O’Malley Dillon. Trumps Wahlkampfleiter Bill Stepien sagte, der Präsident stehe gut da und werde die Wahl gewinnen. „Donald Trump ist am Leben, und es geht ihm gut“, sagte er.

In mehreren Staaten schickte Trumps Wahlkampfteam Anwälte mit Klagen los, um gegen eine drohende Niederlage vorzugehen. Trump selbst forderte über Twitter einen Stopp der Stimmauszählung. Zudem behauptete er, es gebe „reichlich Beweise“ für Wahlbetrug. Twitter versah mehrere von Trumps Nachrichten mit einem Warnhinweis. Biden hingegen forderte: „Jede Stimme muss gezählt werden.“

Trumps Wahlkampagne kündigte zudem an, in Wisconsin mit Blick auf „Unregelmäßigkeiten“ eine Neuauszählung der Stimmen beantragen zu wollen. In Michigan hat sie nach eigenen Angaben Klage bei einem Gericht eingereicht und einen sofortigen Stopp der weiteren Auszählung verlangt, bis den Republikanern Zugang zu den Wahllokalen gewährleistet werde.

O’Malley Dillon: Schritte Trumps Verzweiflungstat eines Verlierers

In Pennsylvania wollen die von den Republikanern beauftragten Anwälte verhindern lassen, dass Briefwahlstimmen als gültig gewertet werden, die bis Freitag eintreffen - diese Regelung hatte das Oberste Gericht der USA zugelassen. In Georgia klagte Trumps Wahlkampfteam, weil 53 zu spät per Post eingetroffene Stimmzettel berücksichtigt worden seien.

O’Malley Dillon bezeichnete die rechtlichen Schritte Trumps als Verzweiflungstat eines Verlierers. Trump hatte bereits in der Wahlnacht den Sieg für sich beansprucht - obwohl zu dem Zeitpunkt noch Millionen Stimmen auszuzählen waren.

In New York, Portland, Detroit, Chicago, Philadelphia und Phoenix war es am Mittwochabend zu Protesten gekommen. Zum Teil forderten dabei Anhänger Bidens die korrekte Auszählung aller Stimmen, Anhänger Trumps forderten einen Stopp der Auszählung und witterten Betrug.

Bei den Teilwahlen zum Kongress, die gleichzeitig mit der Präsidentschaftswahl stattfanden, zeichnete sich unterdessen ab, dass es zu keinen größeren Verschiebungen in beiden Häusern kommt. Demnach könnten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus behaupten. Die Republikaner haben dagegen gute Chancen, ihre Mehrheit im Senat zu verteidigen. In Georgia kommt es zu mindestens einer Stichwahl um einen Senatssitz am 5. Januar 2021. In dem Bundesstaat ist auch das Rennen um einen weiteren Senatssitz so knapp, dass eine Stichwahl nicht ausgeschlossen erscheint.

Erstmals wurden zwei schwarze Abgeordnete ins Repräsentantenhaus gewählt, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen - Mondaire Jones und Ritchie Torres.

In den USA gab es unterdessen erstmals seit Beginn der Pandemie mehr als 100.000 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden. Am Mittwoch gab es 102.831 bekannte Neuinfektionen, wie aus Daten der Universität Johns Hopkins (JHU) in Baltimore hervorging. Der bislang höchste Wert war am Freitag registriert worden, als mehr als 99.000 Ansteckungen gemeldet worden waren.

Insgesamt haben sich in den USA, einem Land rund 330 Millionen Einwohnern, rund 9,5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Knapp 234.000 Menschen starben bislang - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

RND/fw/ch/dpa

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