„Biedermann und die Brandstiftern“ zeigt den Umgang mit Rechtsradikalen

mlzGrillo-Theater in Essen

Max Frisch’ groteske Parabel „Biedermann und die Brandstifter“ hat Regisseur Moritz Peters im Essener Grillo-Theater als einen Diskurs über den Umgang mit Rechtsradikalen inszeniert.

von Britta Helmbold

22.09.2019, 13:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Von Britta Helmbold

Essen. Mit viel Applaus feierte das Publikum die Saisoneröffnung des Essener Grillo-Theaters am Freitag. Auf dem Programm stand Max Frisch’ „Lehrstück ohne Lehre“ von 1958: die groteske Parabel „Biedermann und die Brandstifter“, die sich um ein Bürgertum dreht, das angesichts einer totalitären Bedrohung versagt.

Regisseur Moritz Peters hat die Inszenierung ins Heute verlegt

In der aktualisierten Inszenierung von Regisseur Moritz Peters laufen immer wieder Filme (Videografie: Moritz Emert) über die im Halbrund um die bühnenfüllende Holztreppe gespannte Leinwand (die schön schlicht-funktionale Konstruktion entwarf Nehle Balkhausen) von rechtsradikalen Aufmärschen, AfD-Politikern sowie ihren Kollegen aus anderen Ländern, und auch ihre Parolen flimmern auf.

Letztere gibt es auch live: Immer wieder schnappen sich die beiden geschichtsvergessenen politischen Brandstifter, überzeugend gespielt von Philipp Noak und Jan Pröhl, Mikrofone und stellen an der Bühnenrampe ihre Sicht auf die Welt vor.

Streichhölzer setzten am Ende alles in Brand

Der pseudo-tolerante, sich leicht verunsichert gebende Biedermann des Stefan Migge gewährt aus Angst, schlechtem Gewissen und Bequemlichkeit den beiden seltsamen Gestalten Obdach – und will das Offensichtliche nicht wahrhaben. Mulmig ist ihm und seiner Ehefrau (Sabine Osthoff) allerdings schon. Doch am Ende reicht er ihnen die Streichhölzer, damit sie alles in Brand setzen können. Das Ehepaar bleibt auch nach seinem Tod uneinsichtig, fühlt sich als Opfer.

Da konnte auch der immer wieder mahnende Chor von Thomas Büchel, Ines Krug und Sven Seeburg, die auch alle Nebenrollen meistern, mit seinem Ausruf „Viel kann vermeiden Vernunft“ nicht helfen.

Herumlavieren ist keine Lösung. Konfliktscheue Biedermänner bieten verbohrten Brandstiftern eine tolle Plattform – bis es zu spät ist.

Termine: 28. / 29. 9., 2. / 4. / 19. / 31. 10.; Karten: Tel. (0201) 812 22 00.

www.theater-essen.de

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