Bleiern statt bleihaltig: Brad Pitt als Westernlegende

Wie definiert sich ein Anti-Western? - Bei Autor und Regisseur von „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, Andrew Dominik, sieht das so aus: Durch eine Langatmigkeit, die dem Filmtitel in nichts nachsteht. Durch schmucklose Bilder, Zähigkeit der Dramaturgie und die Verweigerung von Action.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 29.10.2007 / Lesedauer: 2 min
Bleiern statt bleihaltig: Brad Pitt als Westernlegende

Brad Pitt als Jesse.

Eine Paraderolle für Brad Pitt. In Venedig kürte man ihn zum besten Darsteller, warum eigentlich? Pitts Blick geht oft in die Ferne, zu einem Ort, wo tiefe Weisheit verborgen scheint. Sein Jesse ist ein echter Mysterien-Guru, alle anderen in seiner Bande kommen wie Schwachköpfe daher.

Eine Paraderolle für Brad Pitt. In Venedig kürte man ihn zum besten Darsteller, warum eigentlich? Pitts Blick geht oft in die Ferne, zu einem Ort, wo tiefe Weisheit verborgen scheint. Sein Jesse ist ein echter Mysterien-Guru, alle anderen in seiner Bande kommen wie Schwachköpfe daher.

Leichtes Spiel für Pitt

Regie und Kamera liegen förmlich auf den Knien vor Pitt und dichten ihm eine Aura an, die keiner mimischen Glanzleistung bedarf. Pitt hat leichtes Spiel: Schweigen, Brüten, Bartstoppeln zeigen, aus dem Fenster gucken, das reicht. Fertig ist die Ikone, der legendäre Revolverheld.

Neben Jesse James nur Angsthasen und Zitterbacken. Wenn er Witze reißt, lachen sie auf Kommando. Wenn er Fragen stellt, gucken sie auf die Tischplatte wie ertappte Pennäler. Mit keiner Figur wird man richtig warm. Die Psychologie wird auf dem Präsentierteller serviert, mit plumpen Off-Kommentaren.

Das möchte ein Psycho-Clinch sein. Hier die Memme, dort Mister Cool. Fan und Idol, "Stalker" und Opfer. Das hat man nach einer halben Stunde begriffen, das braucht keine pseudo-elegischen 160 Minuten.