Blinddarmentzündung: Gefährlich und manchmal schwer zu erkennen

Kinder und Krankheiten

7 bis 8 Prozent der Deutschen erkranken im Leben an einer Blinddarmentzündung. Vor allem bei kleinen Kindern sind die Anzeichen oft unklar. Experten raten: Im Zweifelsfall lieber zum Arzt.

von Angela Stoll

, 25.03.2021, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leidet ein Kind unter schlimmen Bauchschmerzen, sollten Eltern unbedingt einen Arzt um Rat fragen.

Leidet ein Kind unter schlimmen Bauchschmerzen, sollten Eltern unbedingt einen Arzt um Rat fragen. © Symbolbild dpa

Kurz nach der Ankunft in London geht es los mit dem Bauchweh. Der elfjährige Sohn mag nichts essen, krümmt sich vor Schmerzen und will sich nur noch hinlegen. Warmer Fencheltee bringt nichts. Ist es etwas Ernstes? Ein Magen-Darm-Infekt? Oder sogar eine Blinddarmentzündung, und das ausgerechnet im Urlaub? Situationen wie diese kennen sicher viele Eltern.

Tatsächlich ist es völlig berechtigt, sich in solchen Fällen Sorgen zu machen: Eine Appendizitis, wie Mediziner eine Blinddarmentzündung nennen, kommt bei Kindern relativ häufig vor und ist ein Notfall. Allerdings sind die Symptome alles andere als eindeutig. Sogar für Ärzte ist die Diagnose manchmal schwierig.

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Landläufig spricht man von Blinddarmentzündung, obwohl die Bezeichnung irreführend ist: Betroffen ist nämlich nicht der ganze Blinddarm, also der erste Abschnitt des Dickdarms, sondern nur der Wurmfortsatz: ein etwa acht Zentimeter langes Anhängsel. Eigentlich handelt es sich also um eine „Wurmfortsatzentzündung“.

Die Symptome sind nicht immer eindeutig

„Bei Bauchschmerzen, typischerweise im rechten Unterleib, muss man an diese Möglichkeit denken“, sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Burkhard Rodeck. Das Problem ist aber: Bauchschmerzen können zahllose andere Ursachen haben, angefangen von Verstopfung oder Magen-Darm-Infekten über Harnwegsinfekte bis hin zu psychosomatischen Gründen.

Auch weitere Symptome einer Blinddarmentzündung sind nicht sehr spezifisch: Oft leiden die Kinder zudem an Erbrechen und Durchfall, haben leichtes Fieber und sind insgesamt in einer schlechten Verfassung. Viele von ihnen haben insbesondere bei Erschütterungen Schmerzen, weshalb Ärzte sie mitunter testhalber auf der Stelle hüpfen lassen.

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Eignet sich dieser Test auch für daheim? „Eltern können das zwar versuchen, eine sichere Einschätzung sollte aber ärztlich erfolgen“, meint Rodeck. Auch Micha Bahr, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Ingolstadt, hält es für fraglich, ob solche Experimente viel bringen: „Ich habe mal eine Vierjährige hüpfen lassen, die das auch ohne Zögern gemacht hat. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass da etwas nicht stimmt, und habe sie operiert.“ Tatsächlich hatte das Mädchen eine akute Blinddarmentzündung. Gerade bei kleinen Kindern, die Schmerzen schlecht beschreiben können, ist die Lage schwer einzuschätzen.

Daher appelliert Bahr an Eltern, ein Kind mit Bauchschmerzen im Zweifelsfall zum Arzt oder gleich ins Krankenhaus zu bringen: „Es ist immer besser, einen medizinischen Experten das beurteilen zu lassen.“ Je weiter eine Entzündung fortschreitet, desto ernster wird die Lage. Schlimmstenfalls reißt der Wurmfortsatz auf, sodass sich eine gefährliche Bauchfellentzündung entwickeln kann.

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