„Blut und Hölle“: 81-Jähriger nach Messerattacke vor Gericht

Prozess um Mordversuch

Ein 81-jähriger Mann sticht auf eine Frau ein. Er sagt kein Wort, kennt sie nicht mal. Möglicherweise war er unterzuckert. Jetzt steht er in Essen vor Gericht. Der Vorwurf: Mordversuch.

Essen

, 08.03.2019, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der 81-jährige Angeklagte am Essener Landgericht zwischen seinem Dolmetscher (links) und Verteidiger John Sayed.

Der 81-jährige Angeklagte am Essener Landgericht zwischen seinem Dolmetscher (links) und Verteidiger John Sayed. © Martin von Braunschweig

Die Tat war der reinste Albtraum. Vor rund sechs Monaten hat ein 81-jähriger Mann in einem Essener Einkaufszentrum immer wieder auf eine Frau eingestochen, die er nie zuvor gesehen hatte. „Ich wollte sie aber nicht töten“, sagte er den Richtern am Freitag. „Ich wollte nur Blut sehen.“

Der Hintergrund der Tat ist völlig unklar. In der Anklage ist von einer psychischen Erkrankung die Rede. Vielleicht war der unter Diabetes leidende Familienvater (acht Kinder) aber auch nur unterzuckert – gepaart mit Depressionen und Demenz.

„Eigentlich wollte ich mich umbringen“

Tatort war das oberste Parkdeck des Allee-Centers in Essen. Der Angeklagte hatte sich zu Fuß auf den Weg gemacht, war mit dem Fahrstuhl ganz nach oben gefahren. „Eigentlich wollte ich mich umbringen“, sagte er den Richtern. Als er dann jedoch am Rande des Gebäudes gestanden habe, habe er es mit der Angst zu tun gekriegt. „Ich dachte, wenn ich da jetzt runterspringe, komme ich in die Hölle.“

Dazu muss man wissen: Der in den 1970er-Jahren von Marokko nach Deutschland ausgewanderte Angeklagte ist sehr religiös. Nach eigenen Angaben war er erst eine Woche vor der Tat von einer Pilgerreise aus Mekka zurückgekehrt.

Beweggründe bleiben unklar

Deshalb habe er seinen Plan dann auch geändert. Statt sich umzubringen, wollte er nun die Frau angreifen. „Ich dachte, dann kommt die Polizei und steckt mich ins Gefängnis.“

Was das alles sollte, konnte der 81-Jährige im Prozess nicht erklären.

Mehrfach auf 60-jähriges Opfer eingestochen

Die 60-jährige Frau hatte am Tattag, dem 10. September 2018, gerade telefoniert, als der Angriff erfolgte. Sie hatte den Angeklagten gar nicht kommen gesehen und auch die ersten beiden Stiche nicht gespürt.

Die Ärzte hatten später mehrere Stichverletzungen gezählt – auch im Brustbereich und an der Hand. „Sie hat bis heute massive psychische Probleme“, sagte ihr Anwalt Tobias Degener am Rande des Prozesses.

Die Richter müssen nun prüfen, ob der Angeklagte möglicherweise in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss.

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