Bekennerschreiben und Video in Hanau gefunden - Rechtsradikales Motiv?

Elf Tote in Hanau

Nach den Gewalttaten mit vielen Toten in Hanau sind ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Offenbar gibt es einen rassistischen Hintergrund. Der Generalbundesanwalt ermittelt.

Hanau

20.02.2020, 07:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einer der beiden Tatorte in Hanau. Ingesamt starben elf Menschen.

Einer der beiden Tatorte in Hanau. Ingesamt starben elf Menschen. © dpa

Eine schwere Gewalttat erschüttert Hanau: Insgesamt gibt es elf Tote, weitere Menschen werden schwer verletzt. Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter endet erst nach Stunden: Die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen Tobias R. wurde in seiner Wohnung in Hanau gefunden, dort fanden Spezialkräfte noch eine weitere tote Person. Bei der zweiten Toten in der Wohnung soll es sich um die 72-jährige Mutter von Tobias R. handeln. Das sagte der hessische Innenminister Peter Beuth im Landtag.

In der Nacht hatte der Generalbundesanwalt wegen der besonderen Bedeutung des Falls die Ermittlungen übernommen. Nach dpa-Informationen sind Hinweise auf eine ausländerfeindliche Motivation des mutmaßlichen Täters der Grund. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat der mutmaßliche Täter vor dem Gewaltverbrechen eine umfangreiche Sammlung von Erklärungen und Weltanschauungs-Theorien im Internet verbreitet.

In einem knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Die „Bild“ berichtet, der Täter habe aus rechtsradikalen Motiven gehandelt. In seinem Bekenner-Schreiben äußere der Täter „wirre Ansichten, viele davon auch rechtsradikaler Natur“.

Video in einer Privatwohnung aufgenommen

Wenige Tage vor der Tat soll der mutmaßliche Täter ein Video bei YouTube veröffentlicht haben. Darin spricht der Mann in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

Im Video sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

Kanzlerin sagt Reise ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wegen der Gewalttat in Hanau eine geplante Reise zur Leopoldina nach Halle abgesagt. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter mit. „Die Bundeskanzlerin lässt sich fortlaufend über den Stand der Ermittlungen in Hanau unterrichten“, schrieb er.

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat wegen des Gewaltverbrechens einen Termin in Berlin abgesagt. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte, der Minister wolle sich fortlaufend über die neuesten Entwicklung in dem Fall informieren lassen.

Gedenkminute in Hanau und im Kölner Karneval

Beim Empfang des Dreigestirns bei der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht werden. Das sagte ein Sprecher des Kölner Festkomitees.

Um 18 Uhr findet in Hanau eine öffentliche Gedenkveranstaltung für die Opfer statt. Im Rathaus soll ein Kondolenzbuch ausgelegt werden, kündigte Bürgermeister Claus Kaminsky (SPD) an.

RND/dpa/kar



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