Bochum hat auch nach Opel noch Puls

Konzert "Just In Time"

Eine Komposition in drei Schichten und 15 Stationen füllte am Samstag das Bochumer Schauspielhaus. Der New Yorker Komponist Ari Benjamin Meyers hat mit "Just In Time - Just In Sequence" einen genialen Höhepunkt des Detroit-Projekts geschaffen - eines Projekts, das viele in der Stadt schon abgeschrieben hatten.

BOCHUM

, 29.06.2014, 19:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Schauspielhaus Bochum war richtig was los.

Im Schauspielhaus Bochum war richtig was los.

Die Konzepte vieler Programmpunkte des Detroit-Projekts waren nur schwer vermittelbar und stießen auf extrem geringes Publikumsinteresse. Von daher kann man als Durchbruch sehen, was jetzt Ari Benjamin Meyers gelungen ist: Inspiriert von Führungen durch das Opel-Werk und der Beobachtung des Produktionsprozesses in Früh-, Spät- und Nachtschicht hat er eine Mammutkomposition geschrieben.Mehr als der Sound der Maschinen

"Just In Time - Just In Sequence" nimmt nicht nur simpel den Sound der Maschinen im Hallraum der Fabrikhallen auf. Sie transzendiert den Vorgang einer Autoproduktion und koppelt ihn mit dem Leben einer Stadt, der Kreativität und Gestaltungsfähigkeit ihrer Bewohner.

Unter den 300 Mitwirkenden fanden sich in den seltensten Fällen Profimusiker. Es waren Schüler der Musikschule, Mitglieder aus Laien-Orchestern oder -Chören, oder Mitglieder des Schauspielhaus-Ensembles selbst. Sie spielten und sangen sich ständig wiederholende, teils rhythmisch gegenläufige Klang-Cluster, die spannungsvolle Schichtungen ergaben. Bis zu 15 Schlagzeuger spielten auf der großen Bühne den stetig anschwellenden Puls des Werks. Auf zwei Ebenen des Foyers wechselten Streicher, Akkordenspieler, Mandolinen, E-Gitarren und verschiedenste Chöre.Tolles Finale

Wer sich einmal auf Meyers Spielart der Minimal Music einließt, auf den übte sie einen unwiderstehlichen Sog aus - bis zum großen Finale um 23 Uhr, bei dem die Sänger erstmals Worte formulierten: "Wir leben".

Die unprätentiöse Aufführung, bei der sich auch Komponist und Intendant locker unter das Publikum mischten und die Offenheit des Hauses, das seinem Publikum mal nicht trotz freiem Eintritt umständlich Zählkarten zumutete, sorgten dafür, dass tatsächlich dieser Eindruck entstand: Das ist Kunst, die die Menschen und die Zukunft der Stadt direkt betrifft.

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