Brandstiftung im Saunaclub: Mordprozess vorerst geplatzt

mlzLandgericht Duisburg

Ein 64-Jähriger stirbt bei einem Feueranschlag auf einen FKK-Saunaclub im niederrheinischen Hamminkeln. Darum ist der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter jetzt überraschend geplatzt.

Duisburg

, 15.01.2020, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich standen alle bereit: Die Richter waren da, der Staatsanwalt, die Verteidiger, der Angeklagte. Doch dann kam plötzlich alles ganz anders. Der Prozess um einen tödlichen Brandanschlag auf einen FKK-Saunaclub in Hamminkeln ist am Mittwoch überraschend geplatzt. Der Grund: Der lange Postweg.

Das Feuer war in der Nacht auf den 14. Juli 2019 ausgebrochen. In Flammen und Rauch war damals ein 64-jähriger Niederländer ums Leben gekommen – ein Gast des Rotlicht-Etablissements. Er hatte es nicht mehr geschafft, sich rechtzeitig in Freie zu retten. Das Gebäude war weitgehend zerstört worden.

Motiv: Unzufrieden über die Leistung der Bediensteten

Schnell stand fest: Es war Brandstiftung. Der Verdacht fiel auf einen anderen Gast des Saunaclubs – 43 Jahre alt, verheiratet. Es gab offenbar eine Überwachungskamera, außerdem soll ein Taxifahrer den Ermittlern später den entscheidenden Tipp gegeben haben. Die Festnahme des Mannes aus Voerde war nur wenige Tage nachdem Feuerdrama erfolgt. Der Vorwurf: Mord.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte sauer war. Unzufrieden über die Leistung der Bediensteten. So soll es in der Anklage stehen, die aber noch nicht verlesen wurde.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals gleich einen Brandsachverständigen auf den Fall angesetzt. Dessen Gutachten stammt vom 23. Dezember 2019. Verschickt wurde es aber wohl erst später. Die Verteidiger haben es nach eigenen Angaben erst am Abend vor Prozessbeginn erhalten. Keine Chance mehr, es zu lesen, erklärten sie am Mittwoch vor dem Duisburger Schwurgericht. „Wir sehen uns außerstande, ordnungsgemäß zu verteidigen“, so Gennaro Festa aus Dortmund, einer der beiden Anwälte.

Neuer Prozessstart am 27. Januar

Auch der Staatsanwalt konnte die Problematik nachvollziehen. Genau wie auch die Richter. Schließlich sollte es am ersten Verhandlungstag ausschließlich um die Ursache des Feuers gehen. Dazu sollte der beauftragte Brandsachverständige sein Gutachten erläutern.

Am Ende ging dann alles ganz schnell. Der Prozess wurde noch vor Anklageverlesung ausgesetzt. Er soll nun am 27. Januar neu beginnen. Bis dahin, so die Zusage der Anwälte, ist das Gutachten durchgearbeitet.

Angeklagter in Handschellen abgeführt

Warum sie die wichtigen Unterlagen erst so spät erhalten haben, ist unklar. Möglicherweise ist die Post bei der Justiz über die Weihnachtszeit nicht so schnell bearbeitet worden.

Für den Angeklagten, der in Voerde gewohnt hat, ging es daher schon nach wenigen Minuten zurück ins Gefängnis. Er wurde von den Wachtmeistern in Handschellen abgeführt.

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