Brief an Merkel: NRW-Verbände sehen behinderte Schüler ausgegrenzt

Behinderung

Die Landeselternkonferenz NRW und weitere Vereine kritisieren den Umgang mit behinderten Kindern und Jugendlichen an Schulen. Sie würden bei der schrittweisen Öffnung diskriminiert werden.

Dortmund

08.06.2020, 14:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bei der schrittweisen Öffnung der Schulen bleiben NRW-Verbänden zufolge viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen außen vor. (Symbolbild)

Bei der schrittweisen Öffnung der Schulen bleiben NRW-Verbänden zufolge viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen außen vor. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Bei der schrittweisen Öffnung der Schulen bleiben NRW-Verbänden zufolge viele Kinder und Jugendliche mit Behinderungen außen vor. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierten Landeselternkonferenz (LEK) NRW und zahlreiche weitere Vereine: „Wir erfahren von immer mehr Fällen, in denen Schulen einzeln oder gruppenweise ihren Schülern mit geistigen, aber auch körperlichen Behinderungen den Zutritt zur Schule verweigern.“

Die schwarz-gelbe Landesregierung kommuniziere hier „nicht deutlich und öffentlich“ und überlasse die betroffenen Kinder und Jugendlichen damit faktisch „einer willkürlichen Ausgrenzung“. Die Schulen begründeten die Ausschlüsse unter anderem mit der „zutiefst diskriminierenden Behauptung, Schüler mit geistigen Behinderungen seien pauschal unfähig zum Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln“, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Schreiben.

Mangel von Personal und technischen Hilfsmitteln

Manche Familien seien durch Schulausfall und „gleichzeitigen Wegfall sämtlicher Unterstützungssysteme“ schon seit über zwei Monaten auf sich allein gestellt. Es fehle Personal, und auch die mediale Ausstattung reiche nicht. „Viele gehörlose und schwerhörige oder sehbehinderte Kinder und Jugendliche sind vom digitalen Distanzlernen ausgeschlossen.“ Es mangele an Dolmetschern und technischen Hilfen. Manche Kinder seien bis heute sozial völlig isoliert.

Es müsse dringend gehandelt werden, auch um „eine Rückentwicklung sämtlicher Inklusionsbemühungen der letzten Jahre zu verhindern“, forderten auch etwa das „Elternnetzwerk NRW - Integration miteinander“, die Landeselternschaft der Gymnasien, der Verein Mittendrin, die Landeselternschaft der Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung und der NRW-Elternverband gehörloser und schwerhöriger Kinder und Jugendlicher.

dpa

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