Bühnen-Roadmovie in Oberhausen: Im Sumpf des Turbo-Kapitalismus gefangen

OBERHAUSEN Wo sie sich denn befänden, fragt das durchgeknallte junge Pärchen die betrunkene neureiche Frau am Steuer. "Polnische Wildnis, Sumpf", kriegen sie zur Antwort. Und: "Aussteigen zwecklos".

von Von Klaus Stübler

, 29.03.2009, 15:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bühnen-Roadmovie in Oberhausen: Im Sumpf des Turbo-Kapitalismus gefangen

Dschina (Manja Kuhl) und Parcha (Caspar Kaeser) mit unschuldigem Opfer (Klaus Zwick).

Als ebenso zwecklos allerdings erweist sich auch die Weiterfahrt in Dorota Maslowskas osteuropäischem Bühnen-Roadmovie "Zwei arme Polnisch sprechende Rumänen". Denn in dem trostlosen Stück der heute gerade einmal 25-jährigen polnischen Kultautorin gibt es eigentlich nur gebrochene, identitätslose Charaktere. Jeder auf seine Art gescheitert auf dem Weg vom alten Kommunismus in die schöne neue Welt des Turbo-Kapitalismus. Und so kaputt die Typen, so dekadent bis obszön ihre Sprache.

Im letzten Jahr bei den Wiener Festwochen erstmals auf Deutsch präsentiert, kam Maslowskas Stück jetzt im Malersaal des Oberhausener Theaters heraus - von einem jungen Produktionsteam erfrischend kurzweilig umgesetzt. Regisseurin Hanna Rudolph nimmt das zunächst mit auf der Bühne platzierte Publikum hinein in ihre Inszenierung und spielt virtuos mit den Polenklischees im Stück. Da darf das alte Mütterlein (gespielt von Marek Jera) ebenso wenig fehlen wie die - hier aufgeblasene - Wodkaflasche. Maike Storf lässt über der ganz im polnischen Rot-Weiß gehaltenen Bühne das M von McDonald's leuchten.

Manja Kuhl (Dschina) und Caspar Kaeser (Parcha) geben das vorgebliche Rumänen-Pärchen als zugedröhnte und unberechenbare Schrecken der polnischen Landstraßen: Sie eine Schlampe mit schwarzen Zähnen, er ein Kaugummi schmatzendes Ekel in Lederjacke. Dass Parcha angeblich in einer Fernsehserie einen Priester spielt, erscheint da völlig absurd, erfunden so wie Dschinas Schwangerschaft.

Termine: 1./4./14.4.. Am 23.4. gibt es einen "polnischen Donnerstag", bei dem die Aufführung von einer Lesung der Autorin und einer Party mit polnischem Buffet umrahmt wird. Karten: Tel. (02 08) 8 57 81 84.

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