Bunte Tänze und sakrales Ritual

Ballett am Rhein

DUISBURG Zum Auftakt seiner dritten Spielzeit wartet das Ballett am Rhein in "b.10" mit einem dreiteiligen Programm auf, das sowohl choreografisch als auch tänzerisch internationalen Ansprüchen genügt.

von Marieluise Jeitschko

, 30.10.2011, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>In bunten Ganzkörpertrikots stecken die Tänzer in der Choreografie "Tanzsuite". <p></p> Weigelt</p>

<p>In bunten Ganzkörpertrikots stecken die Tänzer in der Choreografie "Tanzsuite". <p></p> Weigelt</p>

Martin Schläpfers "Drittes Klavierkonzert" ist ein "danse macabre" zu Alfred Schnittkes emotionaler Musik, mit der Denis Proshayev und die Duisburger Philharmoniker unter Wen-Pin Chien den Tanz emphatisch begleiten. Die unvergleichliche Yuko Kato steht zu Beginn in sich gekehrt allein auf der großen Bühne, tanzt ihre Einsamkeit wie ein Todesvogel mit abgewinkelten Schwingen. Aus dem Dunkeln heraus nähert sich Remus Sucheana, fängt die Fallende auf. Sie entflieht ihm. Andere Männer kommen, stürzen nach kurzer Begegnung mit der Frau zu Boden. Am Ende steht sie wieder allein - eine Frau zwischen Einsamkeit und Sehnsucht nach Zweisamkeit.Witzige Spagatreihen Ganz anders die Stimmung in "Tanzsuite" auf Helmut Lachenmanns "Tanzsuite mit Deutschlandlied", einer elektronischen Komposition mit verfremdeten Instrumentalklängen in einer bizarren Struktur aus einzelnen, krächzenden Streichertönen oder auch mal einem kurzen Pizzicato. Tanzrhythmen sind kaum zu erkennen. Keso Dekker nimmt das nervös Zerklüftete der Musik vor allem in den Projektionen auf dem Rückprospekt auf. Die Tänzer hat er in unifarbene, bunte Ganzkörpertrikots gezwängt. Schläpfer erfindet dazu rasant wirbelnde Solos, witzige Sprünge und Spagatreihen.

 Jiry Kylián zu Gast

Zu Gast war diesmal mit Jiri Kylián einer der ganz großen Zeitgenossen. Seine Choreografie "Symphony of Psalms" von 1978 auf Igor Strawinskys Komposition gehört zu den Klassikern des modernen Balletts. Acht Paare tanzen die drei Sätze des Chorwerks in streng strukturiertem Modern Dance. Ein Hauch von Kunstgewerblichkeit haftet dem sakralen Ritual an gegenüber den beiden ultramodernen Stücken in Schläpfers facettenreicher Handschrift. Das Publikum feierte Kylián stürmisch.

Termine: 1./3./5.11.; Karten: Tel. (02 03) 9 40 77 77.

www.ballettamrhein.de

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