"Captain Phillips" zeigt einen Helden wider Willen

Im Kino

Regisseur Paul Greengrass versteht sich auf das minutiöse Doku-Drama ("Flug 93") wie auf den Thriller ("Die Bourne Verschwörung"). Mit "Captain Phillips" führt er beides zusammen, Reportage und nervenzerrende Action.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 11.11.2013, 17:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Barkhad Abdirahman hält als somalischer Pirat Bilal Tom Hanks als Kapitän Richard Phillips in Schach.

Barkhad Abdirahman hält als somalischer Pirat Bilal Tom Hanks als Kapitän Richard Phillips in Schach.

Tom Hanks spielt einen Jedermann, Richard Phillips, unter dessen Kommando ein Containerfrachter vom Oman nach Kenia schippert. Der Kurs führt vorbei an Somalias Piratenküste, wo arme Teufel hinter ganz großen Fischen her sind. Früher warfen sie Netze aus, jetzt entern sie dicke Pötte, nehmen die Crew als Geisel und verlangen Lösegeld.Perspektivenwechsel

Die Handlung formiert sich im Perspektivenwechsel zwischen Land und Schiff. Habenichtse unter der Knute eines Warlords machen ihre Nussschalen klar. Captain Phillips checkt das Internet nach Warnungen vor Piraten und beraumt routinemäßig eine Alarmübung an. Die Musik brütet derweil dunkle Vorahnung aus. "Captain, da sind zwei Echos auf dem Radar. Kommen schnell näher!" Phillips funkt seine Position ans Militär. Die Handkamera reitet mit den Verfolgern durch Gischt und Wellen, ganz dicht am Geschehen. Nahezu in Echtzeit entwickelt der Film einen dynamischen Sog, macht uns zum Augenzeugen eines Katz- und Maus-Spiels.

Schiff wird geentert

Tonsetzer Henry Jackman pumpt Hektik hinein. Phillips lässt die Fahrt erhöhen, Wasserschläuche anstellen, es hilft nichts. Sein Schiff wird geentert. Die Mannschaft verkriecht sich im Maschinenraum, Phillips blickt auf der Brücke in eine Kalaschnikow. Die Anspannung ist mit Händen zu greifen. Phillips taktiert und trickst, gibt sich jovial, schindet Zeit. Er weiß, dass eine amerikanische Fregatte auf dem Weg ist.  

Kurz darauf steckt er in einem winzigen Rettungsboot. Für seine Entführer ist er Geisel und Lebensversicherung - Kriegsschiff und Armee sind vor Ort. Nervenkitzel pur. Dramaturgisch, inszenatorisch, in Kamera und Schnitt virtuos und hoch wirksam umgesetzt. Mit einem großartigen Tom Hanks, der keinen Helden mimt, sondern eine sehenswerte Leistung als schlotterndes, zittriges Wrack von Menschlein abliefert. Packender, intensiver Doku-Thriller, der unter die Haut geht.

 

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