Christkind darf geschaukelt werden

Telgter Krippenausstellung

Das Jesuskind wird geboren, blickt nach oben und sieht – lauter Playmobilfiguren. Margret Unnewehr hat diese Szene gemalt. Es ist die lustigste und schrillste in der neuen Krippenausstellung des Telgter Religio-Museums.

TELGTE

von Von Manuel Jennen

, 15.11.2013, 19:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Maurer Josef Fennenkötter aus Telgte schuf dieses archaisch wirkende Sandsteinrelief der heiligen Familie.

Maurer Josef Fennenkötter aus Telgte schuf dieses archaisch wirkende Sandsteinrelief der heiligen Familie.

 
Museum Religio, Herrenstraße 1, bis 1. Februar, täglich 10-18 Uhr.

Deutlichere Kritik kommt von Claudia Onnebrink aus Münster. Sie legte das Christkind in die rechte Schale einer Waage. Scheinbar ist das Püppchen tonnenschwer, denn es zieht die Schale zu Boden – während auf der anderen Seite der Waage ein Kreuzfahrtschiff, ein Flugzeug und einige hundert Euro in der Luft hängen. Der schnöde Mammon wird von der Kraft des Glaubens ausgehebelt. 118 Krippenkünstler aus Westfalen, dem Ruhrgebiet und darüber hinaus haben es in diesem Jahr in die traditionsreiche Ausstellung des Religio-Museums geschafft, wie Museumsleiter Dr. Thomas Ostendorf gestern erklärte. Politische Botschaften stehen dabei nicht oft im Vordergrund.

Stattdessen gibt es zwei Trends: Zum einen arbeiten viele Künstler so altmeisterlich wie im 19. Jahrhundert. Bei manchen der teils monumental großen Bethlehem-Panoramen würde man auf historische Erbstücke schließen, tatsächlich sind sie aber nagelneu. Die schönste dieser Krippen prangt auch auf dem Ausstellungsplakat: Werner Schmitz aus Königswinter schuf eine Figurengruppe, die wie eine Schauspielszene aus einer Commedia dell’Arte aussieht. Die Posen und das Lächeln wirken einstudiert, reißen aber auch mit. Der zweite Trend ist eine Folge des diesjährigen Ausstellungsmottos „Lasst uns das Kindlein wiegen“. Die Teilnehmer nahmen das wörtlich, und so darf man bei vielen Krippen schaukeln oder an Schnüren ziehen, um das Christkind in Bewegung zu setzen.

Den lustigsten Einfall hatte dabei Mario Krause aus Gescher. Seine Krippe besteht ausschließlich aus Fahrradteilen. Ein heiliger König hat eine Klingel als Kopf und schenkt Ventile statt Myrrhe, das Dach des Stalls besteht aus Reifengummi und die Schafe sind Sattel-Federn. Wenn man neben der Krippe an einem Rad dreht, leuchtet das Jesuskind und im Lagerfeuer glimmt ein rotes Rücklicht. Münsterländischer kann Weihnachten nicht werden.  

 
Museum Religio, Herrenstraße 1, bis 1. Februar, täglich 10-18 Uhr.