"Common Ground" ist eine schmerzliche Reise in die Vergangenheit

Festival Stücke

Die 90er-Jahre flackern vorbei. Als Collage aus Nachrichtenfetzen, Triviales neben Tragik: Nirvana veröffentlichen „Nevermind“, Steffi Graf siegt in Wimbledon, Robbi Williams verlässt Take That, in Rostock brennt ein Wohnheim, Granaten töten 68 Menschen in Sarajevo.

MÜLHEIM

, 01.06.2015, 16:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Common Ground" ist eine schmerzliche Reise in die Vergangenheit

Das Ensemble des Berliner Maxim Gorki Theaters war zu gast bei den "Stücken".

Sarajevo, Jugoslawien, der Bürgerkrieg, fast versendet im täglichen News-Flash. „Common Ground“ (Sonntag bei den Mülheimer „Stücken“ gesehen) holt das Drama vom Balkan auf unsere Erinnerungs-Agenda.

Sieben Schauspieler, fünf in Jugoslawien geboren, reisen in die Vergangenheit, setzen sich auf der Bühne dem Schmerz aus, machen das Elend des Krieges für uns spürbar.  

Theater-Recherche

Ein großartiges Projekt des Berliner Maxim Gorki Theaters. Eine dokumentarische Theater-Recherche, gespeist aus den Biografien der Darsteller, die unter Klarnamen auftreten und sich selber spielen. Regisseurin Yael Ronen hat mit dem Ensemble die Orte besucht, wo gekämpft, gefoltert, gemordet wurde.  

„Common Ground“ ist das Protokoll dieser Reise, aufbereitet zu lebendigen Spielszenen, in denen die Akteure sich seelisch nackt machen. Jasminas und Matejas Väter waren damals im KZ, einer als Wärter, der andere als Gefangener. Der Serbe Aleks steht einer Frau gegenüber, die von „seinen“ Leuten vergewaltigt wurde. Die Fünf sind nicht schuldig, tragen aber den Krieg der Väter „in ihrer Blutlaufbahn“, sagen sie.

Die Bosnienreise hat etwas von einer Gruppentherapie. Jeder blickt seinen Dämonen ins Auge, ringt mit Trauer, Wut, Verzweiflung. Und doch blitzen auch Momente befreiender Komik auf. Womöglich das Stück des Jahres.

Termine: 2. Juni, Dirk Lauckes „Furcht und Ekel“, 4.6., Ewald Palmetshofers „Die Unverheiratete“.

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