"Contagion" ist filmisches Protokoll einer Seuche

Im Kino

Husten, Kopfschmerzen, Mattigkeit - die Symptome sind harmlos. Doch der tödlichen Seuchen fallen Millionen Menschen zum Opfer. Steven Soderberghs "Contagion" dokumentiert die erschreckende Hilflosigkeit der verwundbaren Spezies Mensch.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 16.10.2011, 13:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mitch Emhoff (Matt Damon) in einer Szene des Filmes »Contagion«.

Mitch Emhoff (Matt Damon) in einer Szene des Filmes »Contagion«.

Ein Husten. Beth (Gwyneth Paltrow) telefoniert, elend blass wie die Wand sieht sie aus. Sie ist zurück in den USA, vorher war sie in Hongkong. Dort wankt ein Chinese durch einen Bus. Er zeigt Symptome, über die auch Beth klagt: Husten, Kopfschmerz, Mattigkeit.Das Virus breitet sich rasend schnell aus Zwei Sterbenskranke, die bald tot sind. Sie sind die ersten von zig Millionen Toten. Ein hochinfektiöses Virus breitet sich aus, rasend schnell in einer Welt interkontinentaler Reiserouten. Steven Soderberghs "Contagion" ist das filmische Protokoll einer Seuche, fiktiv, aber mit den realen Vorbildern SARS und Vogelgrippe.

Mutierte Viren greifen an. Wo Wolfgang Petersen mit "Outbreak" ein heißes Emotionsbad einließ, betätigt sich Soderbergh als kühler Chronist der Katastrophe. Semi-dokumentarisch ist sein Blick, an grellen Rühr-Effekten hat er kein Interesse.Die Alarmglocken der UNO schrillen Schlaglichter einer Epidemie. Hongkong, Minneapolis, Chicago. Immer mehr Kranke und Tote. Bei der UNO läuten die Alarmglocken. Dr. Cheever (Laurence Fishburne) schickt eine Ärztin (Kate Winslet) zum Mann (Matt Damon) der toten Beth. Nach einer Autopsie kann das Virus isoliert werden: extrem gefährlich, kein Impfstoff verfügbar.

Tag 6, Tag 7, Tag 10. Infizierte in London und in Kairo. Weltweit fährt der Behördenapparat hoch. Wo liegt der Ursprung des Virus? Aus Verunsicherung wird Angst und Panik. Hamsterkäufe, Plünderungen, Ausgangssperre. Auf Amerikas Straßen regiert das Faustrecht.Der Thriller warnt eindringlich vor einer Apokalypse Autor Scott Z. Burns ("Der Informant") gibt der Eskalation menschliche Züge, ohne die auch der nüchternste Film nicht auskommt. Jude Law spielt einen Blogger, der etwas zu plakativ für den Verschwörungs-Tick der Internetgemeinde steht. Derweil testet eine mutige Ärztin am eigenen Leib ein Gegenmittel.

Ein Kassandra-Ruf. So könnte es kommen. Kühl ist dieser Thriller, aber trotzdem eindringlich. Er warnt vor einer Apokalypse, vor der es keinen Schutz gibt. Wir sind eine verwundbare Spezies. Das ist das Perfide des Szenarios. KUB

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