Corona-Fälle steigen so stark an wie im Frühjahr - doch es gibt einen großen Unterschied

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Zuletzt ist die Zahl der Menschen, die sich neu mit Corona infiziert haben, stark gestiegen. Vieles erinnert an die hohen Zahlen des Frühlings und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied.

NRW

, 21.10.2020, 11:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den vergangenen Tagen meldete das Robert-Koch-Institut nahezu täglich neue Negativ-Rekorde, wenn es um die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus geht.

Dabei unterliegen diese Tageswerte extrem großen Schwankungen, denn: Zum einen melden viele Gesundheitsämter ihre Daten an Wochenenden und Feiertagen nicht dem RKI. Zum anderen haben mittwochs am Nachmittag die meisten Arztpraxen geschlossen, so dass es auch dort eine Meldelücke gibt.

Um aussagekräftigere Trends ohne große Tagesschwankungen zu erkennen, ist es sinnvoll, auf den wöchentlichen Anstieg im Vergleich zur Vorwoche zu achten. Daraus lässt sich ablesen, ob sich die Ausbreitung des Coronavirus beschleunigt oder verlangsamt.

Es zeigt sich, dass im Frühjahr in der Woche zwischen dem 30. März und dem 6. April der Anstieg der Neuinfektionen mit 38.093 Fällen seinen ersten Höhepunkt erreicht hatte. Danach war sie bis zum Sommer kontinuierlich gesunken, dann zunächst auf einem niedrigen Niveau und im Spätsommer auf einem etwas höheren Niveau verharrt.

Ausbreitung seit September in immer schnellerem Tempo

Seit Anfang September jedoch beschleunigt sich die Ausbreitung in immer schnellerem Tempo und sorgt für die Besorgnis erregenden Höchstwerte der vergangenen Wochen. In der vergangenen Woche wurde zwischen dem 26. November und dem 2. November der Höchstwert aus dem April mit 107.161 Neuinfizierten erneut deutlich überschritten.

Dieser neue Höchststand lässt nichts Gutes ahnen. Und dennoch gibt es einen fundamentalen Unterschied zum Frühling – und das ist die Zahl der Menschen, die an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind.

In der Infektions-Rekordwoche vom April lag die Zahl der Toten bei 997 Toten, zwei Wochen später starben innerhalb von sieben Tagen sogar 1.605 Menschen – mehr Corona-Tote waren bisher in keiner einzigen Woche in Deutschland zu beklagen.

Zahl der Todesopfer drastisch gesunken

In diesem Herbst sieht das bisher – zum Glück – völlig anderes aus. Seit dem Frühjahr ist die Zahl der Corona-Todesopfer drastisch gesunken. Zwischen Anfang Mai und Mitte Juni gab es nicht mehr vierstellige, sondern nur noch dreistellige und ab Mitte Juni bis Mitte Oktober nur noch zweitstellige wöchentliche Todeszahlen.

Erst in den vergangenen Wochen gab es wieder einen deutlichen Anstieg. In der vergangenen Woche betrug er 474 Todesopfer. Das ist immer noch eine sehr hohe Zahl, aber eben deutlich geringer als die Horror-Zahlen aus dem Frühjahr.

Die Gründe des Unterschieds

Hier macht sich ganz offensichtlich bemerkbar, dass das Gesundheitssystem seither jede Menge Erfahrungen in der Behandlung von Covid-19-Patienten gesammelt hat.

Zum anderen, so berichtet das Robert-Koch-Institut in seinem aktuellen Situationsbericht, seien in den Sommermonaten vermehrt jüngere Menschen erkrankt, bei denen die Krankheit in den meisten Fällen milder verlaufe. „Aktuell nehmen jedoch die Erkrankungen unter älteren Menschen wieder zu. Da diese häufiger einen schweren Verlauf durch Covid-19 aufweisen, steigt ebenso die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen“, warnt das Robert-Koch-Institut.

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Deshalb ist trotz dieses optimistisch stimmenden Vergleichs weiter Vorsicht geboten. Dabei kann ein Blick auf die Zahlen aus dem Frühling eine Warnung sein: Seinerzeit gab es die höchste Zahl der Todesfälle (1.605) erst zwei Wochen, nachdem der Höchststand bei den Neuinfektionen erreicht worden war.

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