Corona-Impfungen und Schulen: Das ist die Strategie des Landes NRW

Coronavirus

Impfungen, Einschränkungen & Lockdown: Das Land NRW plant einige neue Regeln für die nächsten Wochen.

Düsseldorf

05.01.2021, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
NRW plant bis Ende dieser Woche, 140.000 Menschen geimpft zu haben.

NRW plant bis Ende dieser Woche, 140.000 Menschen geimpft zu haben. © picture alliance/dpa

Nach der Konferenz zwischen Bund und Ländern am Dienstag (5. Januar) wurden einige neue Regeln und Pläne für die kommenden Wochen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie angekündigt. Unter anderem sollen Schulen geschlossen bleiben, eine Impfstrategie wurde vorgestellt und Menschen in Corona-Hotspots werden weiter eingeschränkt.

Ab dem 18. Januar werden in Nordrhein-Westfalen auch Corona-Schutzimpfungen für Beschäftigte in Krankenhäusern angeboten. Wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Düsseldorf ankündigte, soll es dann losgehen mit Impfungen für alle Krankenhaus-Beschäftigten, die nah an Covid-Patienten arbeiten. Bis zum 24. Januar werde es für alle rund 90.000 Beschäftigten dieser Gruppe in den Krankenhäusern ein Angebot geben.

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Kritik an einem zu zögerlichen Einkauf von Impfstoffen wies der Minister zurück. „Ich sehe da überhaupt keine Fehler“, sagte er. Es sei völlig richtig gewesen, zunächst auf verschiedene Hersteller zu setzen. Problematisch seien die begrenzten Produktionskapazitäten.

Laumann: 70 Prozent der Gestorbenen über 80 Jahre alt

Laumann verteidigte die Entscheidung, noch vor dem medizinischen Personal zunächst sehr alte Menschen zu impfen. Schließlich seien über 70 Prozent der Menschen, die an oder mit Corona gestorben seien, über 80 Jahre alt gewesen. „Deshalb ist klar, dass die oben anstehen.“ Das Impfangebot für besonders gefährdetes Klinikpersonal folge ja nun ab der dritten Kalenderwoche. „Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie viele das annehmen.“

Laumann betonte, auch wenn die Infektionszahlen nach wie vor zu hoch seien, könne noch jeder in jedem Regierungsbezirk des Landes, auch unabhängig von Corona, in den Krankenhäusern versorgt werden.

Senioren ab 80 bekommen Impfeinladung per Post

Wie das NRW-Gesundheitsministerium am Dienstag mitgeteilt hat, werden Senioren über dem Alter von 80 Jahren ab der dritten Januarwoche einen Brief über ihre jeweiligen Kreise und Kommunen bekommen.

„Der Brief kündigt den Beginn der Impfungen für diese Zielgruppe in den Impfzentren Anfang Februar an und klärt über den Ablauf von der Terminvereinbarung über die Telefonhotline 116 117 bis zur zweiten Impfung auf“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Eingeschränkter Bewegungsradius

Am Dienstag haben Bund und Länder eine Beschränkung des Bewegungsradius für Risiko-Gebiete festgelegt. Damit soll in Hotspots mit einer Inzidenz über 200 ein maximaler Bewegungsradius von 15 Kilometern erlaubt sein, der nur aus triftigen Gründen verlassen werden dürfe. Gründe wie Einkaufen oder ein Ausflug sollen dabei nicht gelten, sondern eher Arztbesuche oder der Weg zur Arbeit. In NRW wäre davon derzeit nur Herne betroffen, dort liegt die Inzidenz bei 203. NRW stehe voll und ganz hinter der Regelung und werde diese so durchsetzen, sagte Armin Laschet in einer Pressekonferenz nach den Gesprächen.

Zusätzlich sollen Treffen von einem Haushalt nur noch mit einer anderen Person eines anderen Haushalts erlaubt sein. Die neue Kontaktregel bedeutet, dass etwa eine dreiköpfige Familie nicht gemeinsam die Großeltern besuchen darf. Und pflegebedürftige Eltern dürften nur von einem nicht zum Hausstand gehörenden Angehörigen besucht werden, erklärte Laschet. Für private Zusammenkünfte gelte: ein Hausstand und eine weitere Person. „Die Lage ist weiter ernst“, betonte der Ministerpräsident..

Schulen bleiben länger geschlossen

Ersten Angaben zufolge sollen die Schulen zur Eindämmung der Corona-Pandemie länger als bislang geplant geschlossen bleiben. Das beschlossen die Kultusminister der Länder bereits am Montag in einer Schaltkonferenz. Das nordrhein-westfälische Kabinett entscheidet am Mittwoch in einer Sondersitzung über die Durchsetzung des Plans und wie es an Kitas und schulen weitergehen soll.

Gebauer: So viel Präsenzunterricht wie möglich

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) unterstrich, wie wichtig offene Schulen seien. „Das Ziel aller Kultusminister, mit wirksamen Maßnahmen für den Infektionsschutz so schnell und so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten“ sei obere Priorität. Schule bleibe – vor allem für die Jüngeren – „der beste Lernort“.

Auch Kitas sollen ersten Angaben zufolge bis zum Ende des Monats vorerst keine oder so wenig Präsenz wie möglich haben. In den Kitas nutzten nach Angaben des NRW-Familienministeriums Mitte Dezember nur noch rund 30 Prozent der Kinder ein Betreuungsangebot – „mit weiter fallender Tendenz“.

81.300 Menschen bislang geimpft

Nach Angaben des Gesundheitsministers sind in NRW bis zum Montagvormittag bereits rund 81.300 Menschen geimpft worden - fast alle in stationären Pflege-Einrichtungen. Bis zum Ende dieser Woche werde alles verimpft, was NRW bislang an Dosen zur Verfügung gestellt bekommen habe.

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Ab Februar würden die Impfzentren in Betrieb genommen, um unter anderem den über 80-Jährigen im Land eine Impfung anzubieten, kündigte Laumann an. Die Betroffenen bekämen in den nächsten Tagen einen entsprechenden Brief.

In dieser zweiten Welle werde auch Mitarbeitern in ambulanten Pflegediensten ein entsprechendes Angebot gemacht. Laumann rechnet damit, dass die Impfungen der mehr als 1,2 Millionen über 80-Jährigen den Februar und März in Anspruch nehmen.

Bislang habe NRW rund 280.000 Impfdosen bekommen. Eine Hälfte davon werde für die zweite Impfung zurückbehalten. Mit der Zweit-Impfung werde am 18. Januar begonnen. Alle nur einmal zu impfen, um damit den Mangel zu lindern, sei durch die Bestimmungen der Impfstoff-Zulassung ausgeschlossen, erklärte Laumann.

930.000 Impfdosen für NRW bis 21. Februar

Nach Angaben seines Ministeriums wird NRW bis zum 21. Februar rund 930.000 zusätzliche Dosen erhalten. Damit könnten dann weitere 460.000 Menschen geimpft werden, sagte Laumann. Derzeit werde nicht mehr bloß mit fünf Dosen pro Ampulle gerechnet, sondern bereits mit 5,5.

Es müsse dafür Sorge getragen, dass keine Impfstoffe mehr verschwendet würden, forderte Kutschaty. Außerdem müsse die Bund-Länder-Runde über zusätzliche Produktionsstätten für Impfstoffe, eine verzahnte Impf- und Teststrategie sowie einen rechtssicheren Stufenplan beraten, ab welcher Infektionsrate was zu tun sei.

dpa

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