Corona in den Niederlanden: Lockdown aufgehoben, strenge Regeln für Einreisende

Coronavirus

Die Niederlande hat den zweiwöchigen Lockdown beendet, viele Einrichtungen dürfen wieder öffnen. Für Einreisende gelten inzwischen strenge Regeln. Was Reisende und Pendler jetzt wissen müssen.

Amsterdam

, 19.11.2020, 11:20 Uhr / Lesedauer: 4 min
In den Niederlanden gilt ab dem 1. Dezember nun eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen und Einrichtungen.

In den Niederlanden gilt ab dem 1. Dezember nun eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen und Einrichtungen. © picture alliance/dpa

Öffentliche Einrichtungen in den Niederlanden können aufatmen: Nach einer zweiwöchigen Schließung können Museen, Theater, Schwimmbäder und Vergnügungsparks wieder geöffnet und der Gruppensportunterricht wieder aufgenommen werden. Kneipen, Cafés und Restaurants hingegen bleiben weiterhin geschlossen. Das hat die niederländische Regierung am Dienstag, 17. November, beschlossen. Der Lockdown im westlichen Nachbarland Deutschlands ist somit beendet.

Dennoch gilt von deutscher Seite weiterhin die Reisewarnung für die Niederlande. Das Auswärtige Amt warnt vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Niederlande“.

Das ausschlaggebende Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet sind die Infektionszahlen der vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Andersherum hat die Niederlande Deutschland ebenfalls als Risikogebiet eingestuft. Das hat für Einreisende besonders strenge Regeln zur Folge.

Was gilt für Reisende, die in die Niederlande fahren wollen oder wieder zurück kommen? Und welche Corona-Regeln gelten vor Ort? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Für welche Provinzen gelten die aktuellen Reisewarnungen?

In weiterhin allen Provinzen (Nordholland, Südholland, Utrecht, Nord Brabant, Groningen, Gelderland, Flevoland, Drenhe, Overijssel, Limburg, Zeeland und Friesland) liegen die Inzidenzen laut Auswärtigem Amt derzeit bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage. Das bedeutet, dass all diese Provinzen als Risikogebiet eingestuft worden sind.

Die bei Urlaubern besonders beliebte Provinz Zeeland gilt seit Mitte Oktober ebenfalls als Risikogebiet. Lange Zeit war das die einzige Provinz ohne Reisewarnung. Allerdings lässt sich ein positiver Trend feststellen, die Zahl der Neuinfektionen ist nicht mehr so hoch, wie sie es noch vor einigen Wochen war.




Durch die Einstufung der genannten Provinzen in Risikogebiete, sind auch die Großstädte Amsterdam, Den Haag und Rotterdam von den Reisewarnungen betroffen. Ebenfalls betroffen sind die Großstädte Alkmaar, Haarlem, Leiden, Dordrecht, Utrecht, Eindhoven und Nimwegen.

Ist die Einreise in die Niederlande von Deutschland aus beschränkt?

Nein, zwischen der Niederlande und Deutschland finden keine Grenzkontrollen statt. Die Einreise für Reisende aus Deutschland ist uneingeschränkt möglich. Generell gilt, dass Reisende aus Ländern, deren Gesundheitsrisiko gleich oder niedriger als das der Niederlande eingestuft ist, einreisen können. Deutschland ist als gleich eingestuft. Reisende, die mit dem Flugzeug in die Niederlande einreisen wollen, brauchen ein Gesundheitsformular der niederländischen Regierung.

Was gilt für Einreisende aus Deutschland in den Niederlanden?

Die Niederlande haben auch Deutschland zum Corona-Risikogebiet erklärt. Das hat Auswirkungen auf deutsche Touristen, die in die Niederlande einreisen wollen. Sie müssen sich in den Niederlanden für 10 Tage in Hausquarantäne begeben. Diese Regel gilt auch in Ferienunterkünften. Wer sich also nur zeitlich begrenzt in den Niederlanden aufhalten möchte, sollte bei der Reiseplanung die zehntägige Quarantäne einkalkulieren.

Sind Tagesausflüge in die Niederlande aktuell möglich?

Nein, da nach Ankunft in den Niederlanden die zehntägige Quarantäne gilt. Diese gilt auch, wenn man nur zum Einkaufen einreist oder theoretisch sogar beim Tanken. Berufspendler und Personen, die aus triftigen Gründen in die Niederlande einreisen, sind von der Quarantäne ausgenommen. Das gilt beispielsweise auch für Schülerinnen und Schüler oder Studierende. Ausnahmen hat das niederländische Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite aufgelistet.

Was müssen deutsche Reiserückkehrer beachten?

Das Bundesgesundheitsministerium sieht vor, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten verpflichtet sind, sich nach der Einreise umgehend und auf direktem Weg in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben. Einreisende können in NRW von der Pflicht zur häuslichen Quarantäne befreit werden, wenn ein Corona-Test nachweislich negativ ausgefallen ist. Der Test muss allerdings maximal 48 Stunden vor der Einreise durchgeführt worden sein. Wer erst nach der Einreise einen Test machen lässt, muss das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.

Ausnahme: Tagespendler in die Niederlande müssen bei der Rückfahrt nach Deutschland keinen negativen Coronatest vorweisen oder in Quarantäne. Das geht aus der seit dem 7. Oktober 2020 gültigen Einreiseverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen hervor. Demnach sind Personen, die sich weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufhalten von der Meldepflicht wegen möglicher Corona-Infektionen ausgenommen.

Welche Corona-Regeln gelten in den Niederlanden?

Zwar sind die Infektionszahlen in den Niederlanden noch immer sehr hoch, haben sich aber inzwischen stabilisiert. Deshalb kehrt die niederländische Regierung ab dem 19. November bis auf weiteres zu den Maßnahmen für das öffentliche und private Leben mit Stand vor dem 14. Oktober 2020 zurück. Das bedeutet, dass die meisten öffentlichen Einrichtungen wieder öffnen dürfen, aber nur unter Auflagen.

  • Zu den Einrichtungen, die wieder öffnen dürfen, gehören Kinos, Theater, Museen, Freizeitparks, Zoos, Bordelle und Schwimmbäder. Allerdings gilt weiterhin eine Beschränkung von 30 Personen pro Raum.
  • Restaurants, Bars und Cafés bleiben weiterhin geschlossen.
  • Hotels sind geöffnet. In den hoteleigenen Restaurants Gäste bewirtet werden.
  • Touristen sollten im Vorfeld mit Campingplätzen klären, ob die sanitären Anlagen geöffnet sind.
  • Besuche zuhause, im Garten oder auf dem Balkon sind auf drei Gäste pro Tag beschränkt.
  • Im Innen- und Außenbereich außerhalb des eigenen Haushalts darf eine Gruppe aus maximal vier Personen aus verschiedenen Haushalten bestehen. Für Kinder bis einschließlich 12 Jahre gelten die Maßnahmen nicht.
  • Veranstaltungen sind verboten.
  • Geschäfte im Einzelhandel haben nur bis 20 Uhr geöffnet. Lebensmittelgeschäfte sind hingegen von dieser Regelung ausgenommen und dürfen länger geöffnet bleiben.
  • Alkohol und Softdrugs (wie Cannabis) dürfen zwischen 20 Uhr und 7 Uhr nicht verkauft werden. Außerdem ist es nicht erlaubt, zwischen 20 Uhr und 7 Uhr Alkohol im Freien mit sich zu führen oder im öffentlichen Raum zu konsumieren.

Bisher galt in öffentlichen Räumen nur eine Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Das wird sich nun verschärfen, ab dem 1. Dezember ist das Tragen einer Maske in öffentlichen Innenräumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. Die Maskenpflicht gilt für alle Personen ab 13 Jahren.

Jetzt lesen

Können Touristen gebuchte Reisen in die Provinzen stornieren?

In der Regel schon. Ob und wie viel Geld man zurück bekommt, hängt von der Art der Reisebuchung ab. Bei Pauschalreisen in Regionen, die als Risikogebiet eingestuft worden sind, ist eine kostenfreie Stornierung möglich. Es besteht ein Anspruch auf eine Erstattung des Reisepreises. Anders sieht es aus, wenn die Unterkünfte und Verbindungen selbst zusammengestellt und gebucht worden sind. Dann muss man auf Kulanz der Anbieter hoffen. Da auf viele Niederlande-Touristen die zweite Variante zutrifft, gestalten sich die Stornierungen generell als schwierig.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt