Corona-Infektionen nach Gottesdienst: Baptisten sangen offenbar ohne Schutzmasken

Coronavirus

Mehr als 100 Corona-Infektionen in hessischen Städten gab es nach dem Besuch eines Gottesdienstes. Nachdem zunächst erklärt wurde, dass alle Regeln eingehalten worden seien, entsteht nun ein anderes Bild.

Frankfurt

25.05.2020, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach einem Gottesdienst in der Kirchengemeinde der Evangeliums Christen Baptisten vor gut zwei Wochen sind mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Nach einem Gottesdienst in der Kirchengemeinde der Evangeliums Christen Baptisten vor gut zwei Wochen sind mehr als 100 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. © picture alliance/dpa

Nach Bekanntwerden von mehr als 100 Covid-19-Infektionen im Umfeld einer freien baptistischen Gemeinde in Frankfurt hatte die Gemeinde zunächst betont, alle Schutzregeln seien eingehalten worden. Der notwendige Abstand sei gewahrt, Desinfektionsmittel bereitgehalten worden.

Ein am Montag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlichtes Schreiben räumt allerdings Versäumnisse ein: „Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten“, hieß es in der Stellungnahme.

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Da es in der Gemeinde viele Familien mit fünf und mehr Kindern gebe, nehme die Zahl der Ansteckungen zu Hause weiter zu. Die Betroffenen seien in häuslicher Quarantäne. „Nach Bekanntwerden der Infektion wurden die Gottesdienste sogleich in das Online-Format überführt“, hieß es weiter.

Mundschutzpflicht in Gottesdiensten

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat nach Angaben ihres Sprechers Volker Rahn vor Christi Himmelfahrt und damit vor Bekanntwerden der Infektionen bei den Baptisten noch einmal alle Gemeinden zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen aufgefordert. So dürfe in den Gottesdiensten nicht gesungen werden, es gebe Mundschutzpflicht und es müssten Listen der Besucher mit Namen und Anschrift angefertigt werden.

Es gelte ein mehrere Punkte umfassendes Schutzkonzept und alle Gemeinden seien noch einmal eindringlich auf die Umsetzung hingewiesen worden. Gerade auch mit Blick auf Pfingsten würden viele Gemeinden weiter bei den digitalen Angeboten oder Online-Gottesdiensten bleiben. Zudem gebe es „grüne“ Gottesdienste im Freien. „Die boomen tatsächlich.“ Auch hier gebe es Sicherheitsmaßnahmen. „Wir werden nach den Vorfällen in Frankfurt nicht noch weiter verschärfen.“

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sollen Gottesdienste an Pfingsten wie geplant stattfinden: „Der Vorfall in Frankfurt hat keinerlei Auswirkungen auf das Hygienekonzept, das in der EKKW für Gottesdienste festgelegt worden ist und akkurat umgesetzt wird“, erklärte Prälat Bernd Böttner.

Regelungen werden nicht überarbeitet

Das Bistum Limburg hat den Corona-Ausbruch nach eigenen Angaben mit Besorgnis wahrgenommen. Man wisse jedoch nicht, inwiefern Abstands- und Hygienevorschriften in der Baptisten-Gemeinde eingehalten worden seien, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle am Montag auf Anfrage mit.

Handlungsbedarf bestehe im Bistum Limburg deswegen nicht. „Wir sehen aktuell keinen Anlass dazu, unsere Regelungen grundsätzlich zu überarbeiten oder infrage zu stellen. Wir sind nicht entspannt, bleiben aber ruhig.“ Schnelle sagte: „Wir wissen von vielen Pfarrern und Gläubigen, die sehr verantwortungsvoll mit den Lockerungen, die es uns möglich machen wieder gemeinsam Gottesdienst zu feiern, umgehen.“

Im Bistum Limburg besteht seit dem ersten Mai-Wochenende wieder die Möglichkeit, Gottesdienste mit einer kleinen Gemeinde zu feiern. An Pfingsten werde es wohl in jeder Pfarrei einen Gottesdienst geben, erklärte Schnelle. „Bislang bekommen wir die Rückmeldung, dass sich die Pfarreien an die Regelungen halten. Fälle wie in der Baptistengemeinde sind uns bislang nicht bekannt.“

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