Corona-Krise auf den Balearen: Die Urlaubsinseln bleiben im Wartestand

Coronavirus

Die Balearen leben normalerweise vom Tourismus. Mit der Pandemie ist aber die Wirtschaft eingebrochen und die soziale Not gestiegen. Im Sommer soll es wieder mit dem Urlaubergeschäft losgehen.

28.01.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Paar spaziert durch den Hafen von Ibiza.

Ein Paar spaziert durch den Hafen von Ibiza. © picture alliance/dpa/EUROPA PRESS

Mitte dieses Jahres, verspricht die Regionalpräsidentin Francina Armengol, wird sich „die Lage normalisiert haben“. Die Mallorquiner, Ibizenker und anderen Inselbewohner sind skeptisch. Es ist schon zu viel schief gegangen. Die Wirtschaft der Balearen ist im vergangenen Jahr nach ersten guten Schätzungen um 17,5 Prozent eingebrochen, tiefer als in jeder anderen spanischen Region.

Die Inseln leben von Touristen, und im vergangenen Corona-Jahr kamen fast keine. Die Hotels berichten von Umsatzrückgängen gegenüber dem Vorjahr um 89 Prozent. Auch das ist mehr als überall sonst in Spanien – auf den Kanaren zum Beispiel blieb es bei einem Einbruch um 67 Prozent.

Jetzt sind die Balearen, wie die halbe Welt, im Wartestand. Im Sommer soll es wieder losgehen mit dem Urlaubergeschäft. Bis dahin müssen die Leute durchhalten. Den meisten gelingt das. Etlichen nur schlecht. Das Rote Kreuz berichtet von länger werdenden Schlangen bei Essens- und Kleiderausgaben und von mehr Obdachlosen auf den Straßen. Das müsste nicht sein. Der Staat hilft den Hilfsbedürftigen, im Prinzip. Aber die Wirklichkeit ist „chaotisch“, sagt Alberto Jareño.

Corona-Krise: Lokale haben auch auf Mallorca zu

Jareño leidet keinen Hunger, noch nicht. „Zwei Monate halte ich noch durch“, sagt er. „Wenn ich mein Lokal ein wenig öffnen dürfte, sechs Monate.“ Doch Jareño darf sein Lokal im Moment nicht öffnen, wegen Corona. Er sieht das ein, aber er fühlt sich allein gelassen von den Behörden. „Wir brauchen Hilfe“, sagt er über sich und andere Kleinunternehmer in seiner Lage.

Alle versprechen Hilfe: die spanische Regierung, die Regionalregierung, die mallorquinische Inselregierung. Aber sie komme nicht an. Nur die laufenden Ausgaben bleiben. „Warum muss ich Gebühren für die Müllabfuhr bezahlen, wenn ich keinen Müll produziere?“, fragt er. „Warum muss ich meinen Beitrag zur Sozialversicherung zahlen, wenn ich keine Einkünfte habe?“ Zweimal ist Jareño schon in Palma mit Gleichgesinnten zum Protest auf die Straße gegangen, zu Tausenden. Am kommenden Samstag wieder.

Armut wegen Corona-Krise: Tourismus ist eingebrochen

Anderen geht es schlechter als Jareño. Der Tourismus ist eingebrochen, die Wirtschaft ist eingebrochen, die Armut hat zugenommen, auf den Balearen mehr als im Rest Spaniens, berichtet die Hilfsorganisation Oxfam. 33.000 Inselbewohner haben nach einer Studie im November infolge der Covid-Krise nur noch Einkünfte von weniger als 40 Prozent des Medianeinkommens.

Für arme Leute wie diese führte die spanische Regierung Ende Mai mit einigem Trara das „Mindestlebenseinkommen“ ein, eine nationale Sozialhilfe. Bis Mitte Dezember beantragten knapp 29.000 Familien auf den Balearen die neue Hilfe. Gut 20.000 Anträge wurden bearbeitet. 1656 erhielten einen positiven Bescheid.

Der Rest ging leer aus. Jetzt bleibt ihnen noch, bei den regionalen Behörden um Unterstützung zu bitten: eine Ochsentour durch die Bürokratie für die Bedürftigsten. „Wir brauchen eine starke Verwaltung“, sagt Maria Antònia Carbonero vom Observatori Social der Balearen. „Wir müssen die bürokratischen Mechanismen beschleunigen.“ Doch die öffentliche Verwaltung in Spanien leidet noch immer unter den Personalkürzungen in den Jahren der letzten großen Wirtschaftskrise ab 2008.

Ibiza: Impfen, hohe Fallzahlen, Gesundheitssystem am Anschlag

Auch im Gesundheitssystem fehlt es an Leuten, gerade jetzt. Miguel Lázaro, Präsident der balearischen Ärztegewerkschaft SIMEBAL, spricht von einer „schlechten Personalplanung“. Seine Forderungen nach zusätzlichen Pflegekräften vom Herbst seien überhört worden. Auf Ibiza ist die Zahl der Neuansteckungen explodiert, mit einer 14-Tage-Inzidenz von über 2000. „Heute habe ich meinen Dienst weinend beendet, das ist mir noch nie passiert“, schrieb eine Ärztin aus Ibiza auf Twitter vergangene Woche.

Jetzt gehen die Zahlen wieder leicht zurück. Die Schließung von Lokalen, Einkaufszentren und Fitnessstudios scheint Wirkung zu zeigen. Seit einem Monat wird geimpft. Damit sich alles bis Mitte des Jahres wieder normalisiert habe. Was immer in diesen Zeiten normal sein mag.

RND

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