Corona-Krise: Kontroverse Debatte um das Robert-Koch-Institut

Coronavirus

Das Robert-Koch-Institut ist in Deutschland die zentrale Instanz für Epidemien wie die gegenwärtige. Doch Politiker aus SPD und CDU sagen, dessen Arbeit sei ungenügend: So lauten die Gründe.

Berlin

von Markus Decker

, 05.04.2020, 12:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. © picture alliance/dpa

Angesichts der Corona-Krise wird Kritik am Robert-Koch-Institut (RKI) und dessen Leiter Lothar Wieler laut. „Mal heißt es, die Lage entspanne sich, dann heißt es plötzlich wieder, wir stünden vor einer Lage wie in Italien", sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, dem „Spiegel“.

„Gerade in einer so angespannten Lage wie derzeit ist Verlässlichkeit wichtig"

Als Gesundheitspolitikerin habe sie zwar noch zusätzliche Informationsmöglichkeiten, andere Menschen hätten diese aber nicht. Und „gerade in einer so angespannten Lage wie derzeit ist Verlässlichkeit wichtig".

Der CDU-Haushaltsexperte Andreas Mattfeldt sagte: „Ich war sehr irritiert, dass Professor Wieler italienische Szenarien für Deutschland skizziert hat." Dies entbehre „jedweder Grundlage". Bislang seien genug Intensivbetten in den Krankenhäusern vorhanden.

„Dass aufgrund der Aussagen von Herrn Wieler Normalbürger uns Politikern die Frage stellen, warum wir denn bei den angeblich knappen Intensivplätzen noch ausländische Patienten aufnehmen, ist mehr als verständlich.

Johns-Hopkins-Universität schneller

Mattfeldt wirft dem RKI darüber hinaus vor, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. „Es verwundert schon, dass die Johns-Hopkins-University in den USA für Deutschland anscheinend aktuellere und genauere Daten liefert als unser mit Bundesmitteln finanziertes RKI."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Institut zuletzt ausdrücklich gelobt und auf dessen internationale Reputation verwiesen. Aus Regierungskreisen verlautet, die Krise habe sich in den vergangenen Monaten allmählich verschärft, entsprechend hätten sich auch die Einschätzungen des Instituts verschärft. Im Übrigen seien dort nun mal Wissenschaftler am Werk und keine in Kommunikation erprobte Politiker. Wieler jedenfalls besitze die nötige Expertise

Allerdings wird diese Meinung – auch jenseits von Bas und Mattfeldt – nicht von allen geteilt. Im Bundestag heißt es auch von anderen Abgeordneten, die Informationspolitik des Robert-Koch-Instituts sei ungenügend. Es fehle dort an klinischer Erfahrung. Wieler sei nämlich kein Human-, sondern ein Veterinärmediziner. Problematisch sei schließlich sowohl, was kommuniziert werde, als auch wie kommuniziert werde. Nur lasse sich daran kurzfristig nichts ändern.

Weniger Pressekonferenzen

Tatsächlich sorgen weniger der Italien-Vergleich und unterschiedlichen Aussagen zur Wirksamkeit von Schutzmasken für Aufsehen als der Umstand, dass die Johns-Hopkins-Universität im US-amerikanischen Baltimore dem RKI mit den Zahlen immer einen Schritt voraus ist. Das liegt an deren Arbeitsweise.

Während das Robert-Koch-Institut seine Zahlen von den Gesundheitsämtern, also auf dem Dienstweg, bezieht, recherchiert die Privat-Universität ihre Fallzahlen aus öffentlich zugänglichen Quellen.

Das Institut hat seine Öffentlichkeitsarbeit inzwischen reduziert. Während Wieler anfangs täglich eine Pressekonferenz zu den neuen Fallzahlen und aktuellen Entwicklungen gab, finden diese Pressekonferenzen mittlerweile nur noch zweimal wöchentlich statt. In der Bundesregierung sagen sie, es gebe einfach nicht mehr zu berichten. Und die täglichen Zahlen gebe es ja weiterhin.