Corona-Maßnahmen: Jeder Zweite findet Handy-Ortung angemessen

Coronavirus

Laut einer Umfrage hätte jeder Zweite keine Bedenken bei Überwachungsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Jens Spahn wollte das erlauben. Das schlagen Unionspolitiker als Mittelweg vor.

Berlin

28.03.2020, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut einer Umfrage hätte jeder Zweite keine Bedenken bei Überwachungsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus.

Laut einer Umfrage hätte jeder Zweite keine Bedenken bei Überwachungsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Jeder zweite Deutsche hätte nichts gegen die Nutzung von Handy-Daten im Kampf gegen das Coronavirus. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 50 Prozent, sie hielten die Ortung von Kontaktpersonen von Infizierten über die Standortdaten für sinnvoll. Nur 38 Prozent fänden das unangemessen, 12 Prozent machten keine Angaben.

Spahn will Weg für Ortung ebnen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ursprünglich geplant, den Gesundheitsbehörden bei einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ zu erlauben, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln, dadurch ihre Bewegung zu verfolgen und sie im Verdachtsfall zu kontaktieren.

Die Behörden hätten zudem Verkehrsdaten zur Bestimmung des Aufenthaltsortes nutzen dürfen – etwa um den Betroffenen über sein persönliches Risiko zu informieren.

Nach heftiger Kritik aus der Opposition, aber auch der SPD, stellte Spahn diese Pläne bei der Änderung des Infektionsschutzgesetzes zunächst zurück. Die YouGov-Umfrage zeigt aber, dass es eine gewisse Akzeptanz dafür gäbe.

Unionspolitiker setzen auf Freiwilligkeit

Überraschend ist, dass unter den Wählern der Grünen mit 61 Prozent die Zustimmung am größten ist – noch vor denen der Union mit 60 Prozent.

Von den AfD-Anhängern wären 55 Prozent für die Nutzung von Handy-Daten gegen die Ausbreitung des Coronavirus, von den Wählern von SPD und Linke jeweils 50 Prozent und im Lager des FDP 49 Prozent. Nur von den Nichtwählern sprachen sich mehr Befragte dagegen als dafür aus (43 zu 41 Prozent).

Inzwischen haben Unionspolitiker einen neuen Vorschlag ins Gespräch gebracht. Sie wollen möglichst bald eine App einsetzen, die Bürger freiwillig auf ihrem Handy installieren können.

Sie soll wie eine Art digitales Tagebuch funktionieren und – falls sein Besitzer positiv auf das Coronavirus getestet wird – automatisch anonymisierte Hinweise an alle Menschen versenden, die in den zurückliegenden zwei Wochen mit ihm Kontakt hatten. Eine Nachricht würde allerdings wohl nur erhalten, wer eine solche App selbst auch auf sein Mobiltelefon heruntergeladen hat.

RND/dpa