Herausforderung Fleischtheke: Richtig einkaufen mit Mundschutz

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Welche Klippen gibt es beim Einkaufen mit der Maske? Kollegin Martina Niehaus wollte es wissen und hat sich ins Getümmel gestürzt. Eine besondere Herausforderung war die Fleischtheke.

Dortmund

, 25.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bald ist es soweit – das Tragen eines Mundschutzes wird in NRW ab dem 27. April Pflicht. In Bussen und Bahnen und beim Einkaufen läuft demnächst jeder mit Mundschutz herum.

Ich bin erleichtert.

Denn jetzt gibt es keinen Grund mehr, sich mit dem Ding im Gesicht vor anderen zu genieren. Vor allem beim Einkaufen. Ein Erfahrungsbericht:

Herausforderung 1. Der Parkplatz.

Selbst mit dem hübschen, selbst gebastelten Mundschutz meiner Kollegin Marie bilde ich mir ein, dass mich die anderen Leute komisch angucken.

Was gibt es hier zu sehen, frage ich mich, während ich mich auf dem Supermarkt-Parkplatz ausstaffiere. Erst die Handschuhe, dann den Atemschutz.

Erinnerungen an Kindergeburtstage kommen hoch, als man mit Mütze, Schal und Handschuhen „Schokolade auspacken“ gespielt hat. Schon da war ich immer zu langsam. Kein Wunder also, wenn der Einkauf länger dauert.

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Aber egal: Die Sonne scheint, die Maske sitzt. Rein in den Supermarkt. Manchmal rutscht mir der Mundschutz in die Augen, und anfangs muss ich mich schon an das Atmen auf diese Weise gewöhnen. Der Streifen Stoff ist hellblau-kariert, hübsch und unauffällig.

Andere laufen mit Geräten im Gesicht herum, die aussehen, als ob sie vorher einem Jagdbomber-Piloten gehört hätten. Diese Menschen tragen dann meistens noch Sonnenbrille und Kopfbedeckung. Wahrscheinlich, damit ihre Freunde sie nicht erkennen.

Herausforderung 2. Obst und Gemüse.

Die nächste Herausforderung ist der Obst- und Gemüsebereich. Hier versuchen meine Mitmaskenträger verzweifelt, mit übergroßen Gartenhandschuhen winzige Cherrytomaten in eine Tüte zu befördern. Die Tüte will nicht aufgehen, die Tomaten kullern herum.

Also mit Schweineohren würde ich die Maske garantiert verlieren.

Also mit Schweineohren würde ich die Maske garantiert verlieren. © Martina Niehaus

Ich bin mir sicher, dass sich die Angestellten freuen. Weil die beiden großen Sünden in dieser Abteilung – das Anlecken der Finger zum besseren Tütenöffnen und das Anfummeln und Probieren der Weintrauben – mit Handschuhen und Mundschutz zum unlösbaren Problem geworden sind. Wäre vielleicht auch mal eine Idee für ein Kindergeburtstagsspiel. Flaschendrehen ist ja seit Corona nicht mehr so gefragt.

Herausforderung 3. Die Fleischtheke.

An der Wurst- und Fleischtheke stehe ich brav an – mit 1,5 Metern Abstand zum Thekenbereich. Doch als die Verkäuferin den Kopf hebt und fragt, wer als Nächstes dran ist, schaut sie über mich hinweg und nimmt eine unmaskierte Kundin dran. Verflixt – da muss sie wohl mein erwartungsvolles Lächeln unter der Maske übersehen haben.

Eine andere Verkäuferin versteht kaum, was die Kundin von ihr möchte. Akustisches Problem. Die Dame trägt nämlich gleich zwei Masken übereinander, plus Halstuch. Und Sonnenbrille. Ich stelle mir vor, wie die Menschen demnächst an der Fleischtheke selbst gemalte Schilder schwenken, auf denen Dinge stehen wie „Drei Pfund gemischtes Hackfleisch“ oder „Sechs Scheiben Schwartemagen“.

Als irgendwann nur noch Maskierte vor der Theke stehen, werde ich auch wieder beachtet. Als Gleiche unter Gleichen. Geht doch! Die Hähnchenbollen liegen im Wagen, und weiter geht´s zur Kasse. Unterwegs der obligatorische Blick ins Badsortiment. Hier läuft alles ganz gerecht ab: Küchenrollen gibt es weder für Maskenträger noch für Maskenverweigerer.

Lippenstifte testen - das geht nicht mehr. Aber wozu auch? Sieht sowieso keiner.

Lippenstifte testen - das geht nicht mehr. Aber wozu auch? Sieht sowieso keiner. © Martina Niehaus

Wieder auf dem Parkplatz, biete ich meinen Einkaufswagen, in dem kein Chip war, einer Omi an. Die erschreckt sich vor mir und wird gleich auch noch wütend. „Den will ich nicht. Den haben Sie ja schon angefasst“, sagt sie und holt sich einen eigenen Wagen aus der Box. Im festen Glauben, dass DEN vorher noch niemand berührt hat. Manchmal hat es auch Vorteile, wenn man meinen Gesichtsausdruck unter der Maske nicht sehen kann.

Herausforderung 4. Der Drogeriemarkt.

Schon vor dem Drogeriemarkt geht es los. Draußen stehen die Leute an. Ein älterer Herr winkt einer Dame zu, die fünf Meter weiter steht. „Hilde, ich hab dich gar nicht erkannt mit der Maske!“ Sie kontert: „Das liegt daran, dass du meine Falten nicht mehr siehst!“ Na also, manche Menschen können wenigstens noch lachen.

Im Drogeriemarkt feiere ich ein kleines Erfolgserlebnis. Es gibt Küchenrollen. Traurig macht mich allerdings, dass man in der Make-Up-Abteilung nichts mehr testen darf. Würde aber sowieso keinen Sinn machen, Lippenstift aufzutragen.

Mit Helm darf man nicht in die Sparkasse. Aber mit Maske vor dem Gesicht. Komisch.

Mit Helm darf man nicht in die Sparkasse. Aber mit Maske vor dem Gesicht. Komisch. © Martina Niehaus

Auf dem Rückweg habe ich übrigens noch kurz an der Bank gehalten. Und das Schild mit dem durchgestrichenen Motorradhelm gesehen. Wo doch bald nur noch Maskenträger hier ein- und ausgehen. Rufen die Mitarbeiter dann jedes Mal die Polizei?

Ich frage mich, was diese schusseligen Banditen aus den Lucky-Luke-Comics machen würden - damit sie unter den vielen Maskierten auch als Bankräuber erkannt werden. Vermutlich würden sie die Maske einfach weglassen.

Kylo Ren (l.) und Darth Vader sind wahre Vorreiter in Sachen Maskendesign.

Kylo Ren (l.) und Darth Vader sind wahre Vorreiter in Sachen Maskendesign. © Martina Niehaus

Sie merken: Ich freue mich darüber, dass es bald keine Unterschiede mehr zwischen uns Corona-Kunden gibt – außer natürlich in der Mundschutz-Gestaltung. Und ich denke an berühmte Vorbilder und Trendsetter. An Darth Vader und Kylo Ren aus den Star-Wars-Filmen, die das Design von Generation zu Generation erfolgreich verändert haben.

An Zorro, der nie verstanden hat, dass man die Maske nicht über den Augen trägt, sondern vor dem Mund. Und an Hannibal Lecter, einen wahren Menschenfreund. Schließlich hat „Hannibal der Kannibale“ seine Maske immer nur getragen, um andere vor sich selbst zu schützen.

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