„Cursed“: Netflix-Serie geht auf Recycling-Tour im Fantasy-Genre

mlzSerien-Kritik

Im neuen Netflix-Hit „Cursed“ kommt einem alles irgendwie bekannt vor: der Plot, die Figurenriege, die gesamte Ästhetik. Die Serie wirkt, wie am Reißbrett entworfen.

Dortmund

, 30.07.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Artus-Sage ein origineller Stoff sei, kann man nicht behaupten nach Dutzenden Filmen. Weil das fantastische Genre einen Boom erlebt, hat jetzt auch Netflix das Märchen aufgelegt. Und mit der ersten Staffel von „Cursed“ einen Hit gelandet.

Thomas Wheeler und Comic-Titan Frank Miller haben erst ihrem Buch und dann der Filmversion einen frischen Dreh verpasst, Figuren neu gewichtet, alles auf ein junges Publikum zugeschnitten. Die Serie zitiert den gesamten Fantasy-Kanon, recycelt bewährte Motive – so viele, dass man nicht weiß, ob man das mutig oder dreist nennen soll.

Zauberer, Hexen: Diese Serie hat alles

Mythen, Magie und Mystery: Dank Zauberern und Hexen hat „Cursed“ mehr von „The Witcher“ als von „Game of Thrones“, das aber in Set-Design, Schauplätzen und Erzählmodulen durchschimmert. Elemente von „Vikings“ stecken drin, Fabelwesen wie in den „Chroniken von Narnia“, Frauen mit Schwertern à la „Xena, die Kriegerprinzessin“, ein Killer mit Kapuze wie in „Assassin‘s Creed“. Genauso oft beschert uns „Cursed“ auch ein Déjà-vu: Woher stammt das noch gleich?

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Im Grunde funktioniert der Zehnteiler wie ein großer Bilderbogen des Fantasy-Genres. Wir treffen die junge Nimue (mit Puppengesicht: Katherine Langford), die ihrer übersinnlichen Kräfte wegen als Hexe geschmäht wird. Gottesdiener in rotem Mönchsgewand töten Nimues Mutter, die ihr sterbend ein Schwert anvertraut, das sie Merlin geben soll: Das legendäre Excalibur, hier „Schwert der Macht“ genannt.

„Cursed“ bleibt oberflächlich

Merlin (Gustaf Skarsgård) entpuppt sich als Trunkenbold, dessen Magie schwächelt. Arthur (Devon Terrell) ist ein Vagabund, verliebt sich in Nimue und schlägt sich auf ihre Seite. Der Fürst der Aussätzigen sorgt für Horrorflair, in Schlachten mit Wikingern rollen Köpfe, rote Mönche verbrennen die Feen.

Mal geht es rüde brutal zu, mal gruselig, mal romantisch.

Die Dramaturgie hangelt sich an Schauwerten entlang, Oberfläche geht vor Tiefe, doch die Spannung nimmt Fahrt auf. Man versteht, warum „Cursed“ ein Erfolg ist – allerdings nach einem Szenario wie verfasst von einer Künstlichen Intelligenz, die vorher alle Fantasy-Streifen staubtrocken analysiert hat.

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