Dampflok ging die Puste aus

Hydrant war zugesperrt

Der Aritkel "Dampflok ging die Puste aus" war der Aufmacher-Text auf der Regionalseite. Es geht um Probleme bei der "Winterdampffahrt", die der Verein Eisenbahn-Tradition Lengerich in jedem Jahr unternimmt. Dies ist der Zeitungsartikel zum Nachlesen.

LENGERICH/BECKUM

von Von Elmar Ries

, 18.01.2016, 14:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die historische Dampflock in Lengerich.

Die historische Dampflock in Lengerich.

Seit nunmehr 30 Jahren fährt der Verein Eisenbahn-Tradition Lengerich einmal im Jahr mit einer alten Dampflok und mehreren Hundert Fahrgästen in den historischen Waggons vom Münster- ins Sauerland. Bislang immer problemlos.

„Winterdampffahrt“ nennt sich das Spektakel. Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit. Doch diesmal war alles anders. Die Wasserversorgung Beckum hatte ohne Ankündigung ihre Hydranten zugesperrt. Und eine Dampflok ohne Wasser ist wie ein Fisch auf dem Land.

Stephan Jeggle ist nicht nur der erste Vorsitzende des Vereins, er steuerte am Samstag auch die Dampflok mit dem eher nüchternen Namen 78468. In Lengerich startete er den sogenannten „Teuto-Express“ mit rund 400 Fahrgästen. Das Ziel war Warstein. „In Tönnishäuschen, einem Dorf bei Ahlen, wollten wir zum ersten Mal Wasser aufnehmen“, erzählte Jeggle gestern. Doch der Hydrant war dicht, „verplombt von der Wasserversorgung Beckum“, sagt der Vereinsvorsitzende.  

Viel verheizt  

Zwölf Kubikmeter fasst der Kessel der alten Lok, neun davon waren auf dem Weg nach Tönnishäuschen verheizt worden. Ohne Heizung, langsam, quasi im Schmalspurbetrieb tuckerte 78468 weiter Richtung Wadersloh. „Ich habe mir gedacht: ,Bis dahin solltest du es wohl schaffen‘“, sagte Jeggle im Nachgang. Was auch klappte, „wenngleich mit dem letzten Tropfen“.

Am Etappenziel angekommen, staunte er nicht schlecht: Auch in Wadersloh war der Hydrant versperrt. Zudem habe ein Mitarbeiter der Wasserversorgung dort gestanden – und gedroht: „Würden wir versuchen, an Wasser zu kommen, riefe er die Polizei“, habe der Mann gesagt, erzählte Jeggle. Jede Menge Streit um ein bisschen Wasser „im Wert von 15 Euro“.  

Im Kriechgang nach Lippstadt

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Eine kleine Diesellok, die als Schubverstärkung hinterm letzten Waggon hing, schob den Dampfzug im Kriechgang nach Lippstadt, wo ein stärkere und kurzfristig von der Westfälischen Landeseisenbahn gemietete Diesellok die Weiterfahrt durchs hüglige Sauerland übernahm.

Warum der Wasserversorger so reagiert hat, wissen die Dampflok-Freunde nicht. „Es gab noch keinen Kontakt“, sagte der Vorsitzende. Am Sonntag habe man zunächst den entstandenen Schaden errechnet. „Knapp 2000 Euro“, sagt Jeggle.  

Andreas Becker ist Geschäftsführer des Versorgers mit Sitz in Beckum. Und kennt natürlich die Antwort. Die ist simpel – und bedingt nachvollziehbar. „Natürlich kann der Verein Wasser entnehmen“, sagt er. „Nur möge er das bitte zuvor anmelden.“

Das sei den Freunden historischer Dampflokomotiven in Lengerich mehrfach mitgeteilt worden. Weil die aber nie geantwortet hätten, habe sich der Versorger zu der zugegeben drastischen Maßnahme entschlossen. Keine Kriegserklärung, kein Nein auf Dauer, eher ein Schuss vor den Bug. „Wenn sich der Verein vor der nächsten Winterdampffahrt meldet, gibt’s natürlich auch wieder Wasser“, sagte Becker.

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