Darum schlagen die Städte vor der Öffnung der Schulen Alarm

Coronavirus

Lässt sich die Hygiene sicherstellen, wenn die Schulen wieder geöffnet werden, und wie viele Schüler dürfen eigentlich in einen Raum? Der Deutsche Städtetag warnt, die Zeit sei knapp.

Berlin

22.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wie gut sind die Schulen auf die schrittweise Öffnung vorbereitet?.

Wie gut sind die Schulen auf die schrittweise Öffnung vorbereitet?. © picture alliance/dpa

Wie gut laufen die Vorbereitungen dafür, dass die Schulen schrittweise geöffnet werden? Sind die wichtigen Fragen bereits geklärt? Die Städte sehen sich unter Zeitdruck und schlagen jetzt Alarm. Sie appellieren an die Kultusministerkonferenz, sehr zügig gemeinsam mit den Kommunen einheitliche Hygienevorgaben zu erarbeiten.

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„Um die Schulen bis zum 4. Mai für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten neu aufzustellen, brauchen wir sehr schnell klare Standards, die auch praktisch zu erfüllen sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir müssen beispielsweise wissen, wie viele Kinder in einem Raum gleichzeitig unterrichtet werden dürfen.“

Dedy sagte: „Wir haben die Kultusministerkonferenz deshalb dringend gebeten, die Städte rasch in die Entwicklung der Hygienepläne einzubeziehen.“ Bisher liege dem Städtetag dazu noch kein Signal der KMK vor. „Wir stehen unter enormem Zeitdruck“, warnte er.

„Die erzielten Erfolge beim Infektionsschutz dürfen nicht verspielt werden“
Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städtetag

„Die erzielten Erfolge beim Infektionsschutz dürfen nicht verspielt werden“, sagte Dedy. Die Zeit für die Vorbereitung sei knapp. „Strenge Hygiene- und Schutzvorgaben nützen allerdings auch nichts, wenn knappe Güter wie Desinfektionsmittel nicht ausreichend verfügbar sind.“ Die Lösungen müssten praktikabel sein.

In einzelnen Ländern sind in dieser Woche wegen der Prüfungsvorbereitungen bereits wieder Schüler zur Abiturvorbereitung in der Schule. Generell soll die schrittweise Öffnung von Schulen ab dem 4. Mai erfolgen. Schutzkonzepte - zum Beispiel für Schulbusse und Klassenräume - sollen die Kultusminister bis zum 29. April vorlegen.

GEW verfolgt klare Linie

Reicht die Zeit aus? Und: Sind alle angemessen eingebunden? „Politik, Ministerien und Schulbehörden müssen abgestimmt vorgehen und im Dialog mit den Lehrenden, den Gewerkschaften, Eltern und Schülern einen umfassenden Gesundheits- und Infektionsschutz sicherstellen“, sagte Ilka Hoffmann, die im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für das Thema zuständig ist, dem RND. „Wo dieser nicht zu gewährleisten ist, müssen die Schulen geschlossen bleiben“, lautet Hoffmanns unmissverständliche Forderung.

„Schulbehörden geben - gerne über das Wochenende - neue Vorgaben heraus, die an vielen Schulorten nicht umzusetzen sind.“
Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schule

Torben Krauß von der Bundesschülerkonferenz sieht in Sachen Hygiene noch Nachholbedarf. „Das ist tatsächlich an vielen Schulen immer noch ein großes Problem“, sagte er dem RND. Oft fehle es an Seife und Papierhandtüchern. Es gebe aber auch Schulen, an denen das gut klappe. Die anderen müssten jetzt noch nacharbeiten.

Die GEW sieht eine Reihe Probleme - auch, aber nicht nur in Sachen Hygiene. „Während viele Bundesländer gerade über die Pflicht zum Mundschutz diskutieren, weil das Coronavirus nicht gebannt ist, denken einzelne Bildungsministerien darüber nach, Pädagoginnen und Pädagogen, die älter als 60 Jahre sind, in den Schulen einzusetzen“, kritisierte sie.

„Schulbehörden geben - gerne über das Wochenende - neue Vorgaben heraus, die an vielen Schulorten nicht umzusetzen sind“, so Hoffmann. So werde beispielsweise eine Zahl von Waschbecken in der Schule angenommen, die nicht vorhanden sei. Auch eine regelmäßige, hygienische Reinigung von Oberflächen sei kaum zu organisieren. „Die Lehrenden, die in den Schulen arbeiten, die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern werden meist nicht gehört.“

Sitzenbleiben? Nein, danke!

Einen richtigen Schritt sieht Hoffmann in den Ankündigungen aus mehreren Bundesländern, in diesem Jahr müsse sich wegen der Pandemie-Situation kein Schüler Sorgen machen, er würde sitzenbleiben. Die GEW findet aber, die Politik sollte sich hier noch mehr bewegen. „Abiturprüfungen sind in dieser Krisensituation das erste, auf das man verzichten kann und sollte“, sagte Hoffmann. „Auf das Sitzenbleiben in diesem Schuljahr zu verzichten, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Helmut Dedy, sagte: „Bis alle Kinder wieder regelmäßig zur Schule gehen, wird es noch dauern.“ Er verweist zudem darauf, dass neben den Hygienefragen noch viele weitere Punkte organisiert werden müssen. „Für gestaffelte Unterrichtszeiten muss zudem der Schülerverkehr mit Bussen und Bahnen angepasst werden.“ Auch die Essensversorgung in Mensen müsse sich dem neuen Bedarf anpassen.

Mit gutem Gefühl in die Schule

Und was liegt jetzt bei Torben Krauß von der Bundesschülerkonferenz an? Der 18-Jährige macht in Nordrhein-Westfalen Abitur und geht ab Donnerstag zum freiwilligen Prüfungsvorbereitungsangebot in die Schule. An seiner Schule habe er ein gutes Gefühl wieder hinzugehen, er höre aber von anderen Einrichtungen, in denen die Hygienebedingungen katastrophal seien. Auf die Abi-Klausuren, sagt er, hätte er aber auch ganz gut verzichten können.

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